Westinghouse baut erstes Atomkraftwerk für Polen

Die USA haben bei der künftigen Energieversorgung Polens die Nase vorn. Frankreich hat das Nachsehen, Russland soll verdrängt werden.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki. 
Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki. AP

Die US-Regierung ist bei dem Unterfangen, Russland auf dem europäischen Energiemarkt zurückzudrängen, einen großen Schritt vorangekommen. Das US-Unternehmen Westinghouse Electric hat den Auftrag erhalten, Polens erste Atomanlage zu bauen. Die polnische Regierung will bei einem Treffen am Mittwoch die Entscheidung treffen, die Umweltgenehmigungs- und Investitionsverfahren einzuleiten, berichtet die Associated Press.

Ein polnischer Regierungssprecher sagte, das Kernkraftwerk in Nordpolen würde eine Verbesserung der Infrastruktur in der Region, einschließlich der Straßen, erforderlich machen.

Die Entscheidung erfolgte, nachdem die polnische Regierung im September von den USA einen Konzeptions- und Ausführungsbericht für die zivile nukleare Zusammenarbeit zum Bau von sechs großen Kernreaktoren mit amerikanischer Technologie erhalten hatte. Der Bericht war vom US-Botschafter in Polen, Mark Brzezinski, in Warschau an Polens Klima- und Umweltministerin Anna Moskwa übergeben worden. Der Bericht ist Bestandteil einer umfassenden nuklearen Energiepartnerschaft, die die USA und Polen im Jahr 2020 geschlossen haben.

Die Arbeit an dem Bericht war lange vor dem russischen Angriff auf die Ukraine aufgenommen worden. Die polnische Regierung schreibt über die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Der Konzeptions- und Ausführungsbericht ist mehr als nur ein kommerzielles Angebot und spiegelt 18 Monate intensiver Arbeit und Millionen von Dollar an US-finanzierten Analysen und Bewertungen wider. Zur Untermauerung dieses Berichts führten die US-Projektunternehmen Westinghouse und Bechtel detaillierte Studien zur Machbarkeit der AP1000-Technologie durch, um die Erwartungen des polnischen Kernenergieprogramms an Polskie Elektrownie Jądrowe als Investor beim Bau von Kernkraftwerken in Polen zu erfüllen.“

US-Energieministerin Jennifer Granholm begrüßte die Entscheidung Warschaus und nannte sie einen „großen Schritt zur Stärkung unserer Beziehungen zu Polen für zukünftige Generationen“. „Diese Ankündigung sendet auch eine klare Botschaft an Russland: Wir werden nicht länger zulassen, dass sie Energie als Waffe verwenden“, sagte Granholm in einem Tweet. „Der Westen wird gegen diese unprovozierte Aggression zusammenstehen und gleichzeitig die Energieversorgungsketten diversifizieren und die Zusammenarbeit beim Klimaschutz stärken.“

In einem Tweet sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki, dass das Kernenergieprojekt die „zuverlässige, sichere“ Technologie von Westinghouse verwenden werde.

Westinghouse setzte sich gegen das in Südkorea ansässige Unternehmen Korea Hydro Nuclear Power (KHNP) und mehrere französische Unternehmen durch. Es wird spekuliert, dass ein Reaktor in Kürze an Südkorea vergeben werden dürfte. Allerdings machen die Amerikaner Druck, damit sie das ganze Paket erhalten.

Reuters zitierte einen US-Beamten mit den Worten: Man erwarte, dass Polen beabsichtige, sechs AP1000-Reaktoren von Westinghouse bauen zu lassen, eine „formelle Entscheidung über den zweiten Satz von drei Reaktoren wird zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden“.

Polen hat nach Partnern für die Entwicklung von sechs bis neun Gigawatt nuklearer Kapazität gesucht und wird bis zu 49 Prozent Eigenkapitalfinanzierung für das Projekt bereitstellen. Warschau plant, die Technologie für seine ersten drei Kernreaktoren bis Ende dieses Jahres fertigzustellen, wobei der erste Satz 2033 in Betrieb gehen soll.

Ungeachtet der Spannungen zwischen Peking und Moskau ist Westinghouse auch in China aktiv: Das Unternehmen kündigte kürzlich an, zwei auf der AP1000-Technologie basierende Reaktoren im Kernkraftwerk Lianjiang in Zhanjiang zu installieren. Der chinesische Staatsrat genehmigte kürzlich die Hinzufügung von zwei neuen Blöcken im Kraftwerk Lianjiang.