Es waren Tage voller Aufregung: Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometer pro Stunde über der Nordsee und in Mittelgebirgslagen wurden vorhergesagt, starker Schneefall in ganz Deutschland. Hamburg zitterte schweren Sturmfluten entgegen, möglicherweise so gewaltig wie bei dem Unglück 1962, als mehr als 300 Menschen starben. An der gesamten Nordseeküste fiel der Schulunterricht aus, die Meyer-Werft in Papenburg schickte vorsorglich ihre Mitarbeiter nach Hause.

Der Orkan Xaver, von Grönland kommend, hatte Anfang Dezember Deutschland tagelang im Griff. Ein Fernsehbericht jagte den anderen – von windumtosten Plätzen, mit nach Luft schnappenden Reportern. Das Wetter spielte verrückt, und jedermann schaute auf die Katastrophen-Meldungen. Seit sich in den letzten Jahren die extremen Ereignisse in der Atmosphäre häufen und auch Tornados über Deutschland möglich sind, erfreut sich das Wettergeschehen wachsenden Interesses – und zwar nicht nur bei Hauseigentümern, die sich um ihre Dächer Sorgen machen, oder bei Bauern, die um die Ernte fürchten. Wettervorhersagen, Unwetterwarnungen, Videos über Extremereignisse sind spannend und aufregend, jedermann kann mitreden.

Vorhersagen für alle Lebenslagen

Zum Wetter ist über Internet mittlerweile alles mögliche abrufbar. Die Seite von Wetteronline bietet beispielsweise ein hervorragendes Regenradar, das die Regenwahrscheinlichkeit in den kommenden zwei Stunden wiedergibt. Die amtlichen Unwetterwarnungen liefert der Deutsche Wetterdienst auf einer Karte, auf der man die mit gefährlichem Rot eingefärbten Gebiete sieht. Auf der Internetseite 14-tage-wettervorhersage.de kann sich der geneigte Sportler über das aktuelle Jogging-, Lauf- Golf-, Tennis-, Skateboard und Radfahrwetter informieren. Auch das Open-Air- und das Grillwetter werden vorausgesagt, von solchen profanen Dingen wie dem Niederschlagsrisiko, der erwarteten Sonnenscheindauer ganz abgesehen. Donnerwetter.de zeigt unter anderem den Fußball-Fans an, bei welchen Konditionen die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga stattfinden. Die Kratzprognose sagt, ob Autofahrer früh am Morgen die Scheibe vom Eis befreien müssen. Und der Hobbygärtner erfährt über die Bodentemperaturen, ob er seine Pflanzen noch schützen muss.

Die Wetterprognosen wollen viele wissen – und wo eine Nachfrage besteht, läuft das Geschäft. Etliche private Wetterdienst wetteifern um die Gunst der Kunden und Nutzer. Ein Großteil von ihnen, derzeit 17 an der Zahl, sind im Verband Deutscher Wetterdienstleister organisiert. Darunter sind nach Verbandsangaben Einzelunternehmer, die nur regional oder in einem speziellen Sektor tätig sind, aber auch international agierende Anbieter, die eine überaus breites Leistungsspektrum anbieten. Die Umsätze der privaten Anbieter liegen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Und der Bereich hat Potenzial. „Der Markt wächst“, sagt Norman Gabler, Geschäftsführer und Inhaber der q.met GmbH. Seine Firma bietet sowohl übers Netz (wetternet.de) als auch für Kunden direkt jede gewünschte Wetter-Information. Rund 40 000 Kunden, vor allem Firmen, werden beliefert. Täglich erstellt q.met rund 200 000 Wettervorhersagen. Gabler beliefert mit seiner Mannschaft unter anderem einige hundert Winterdienste mit Prognosen, die darüber mitentscheiden, mit welcher Technik der drohenden Glätte oder dem massiven Schneefall zu Leibe gerückt wird.

In der Volkswirtschaft sind mittlerweile rund 80 Prozent der Unternehmen vom Wetter abhängig oder stark beeinflusst, so eine Schätzung. Sehr stark gewachsen sei das Geschäft mit der Agrarwirtschaft, sagt Gabler. Deren Betriebe wollen spezielle Prognosen, die unter anderem die Tau-Bildung oder die Blatt-Nässe betreffen. Für den Anbau nicht nur von Spargel, Wein oder Kartoffeln sind gute, also genaue Prognosen unerlässlich. Hängt doch die Ernte und damit auch das Einkommen der Agrar-Unternehmer unmittelbar vom Wetter ab. Gabler nennt ein einfaches Beispiel: Wer Dünger ausbringt, will auch wissen, ob das Wetter ruhigbleibt oder Gewitter mit starken Niederschlag und Sturm drohen. „Denn dann könnte ganz schnell alles weggespült oder weggeweht werden“.

Eine Haftung für die Vorhersagen übernimmt q.met wie die anderen Anbieter nicht. „Wir können Entscheidungshilfen geben“, sagt Gabler. Allerdings hätten sich die Prognosen deutlich verbessert. Seinen Anspruch hat Gabler, der auch schon beim ZDF arbeitete, im Firmennamen deutlich gemacht: Q steht für Qualität, met für Meteorologie.

Wie genau die Vorhersagen ausfallen müssen, hängt vom Anwendungsbereich ab. „Für Winterdienste sind Unterschiede von einem Zehntelgrad äußerst wichtig“, sagt der Geschäftsführer von Meteogroup Deutschland, Dennis Schulze. Denn die könnten darüber entscheiden, ob die Winterdienste aktiv werden müssen, ob zum Beispiel vorsorglich gestreut werden muss. Andererseits erhalten Energiehändler, die den Strom für den nächsten Monat handeln, Trendaussagen, die eine größere Spannbreite aufweisen. „Wir tun alles, um die optimale Prognose zu treffen“, sagt Schulze. Meteogroup ist nach eigenen Aussagen Europas führender Wetterdienst – mit mehr als 300 Mitarbeitern in Europa, in den USA und Singapur.

Meteogroup liefert Prognosen für alle möglichen Branchen, von der Bauwirtschaft über Bahn und Luftfahrt bis hin zu Versicherungen und den Betreibern der Stromnetze. Denen werden unter anderem „standortgenaue Wind- und Solarleistungsprognosen, detaillierte Unwetterwarnungen und Blitzeinschläge“ avisiert. Für die Seefahrt bietet Meteogroup Daten, die eine Routenoptimierung zulassen – für eine „sichere Fahrt bei optimalem Kraftstoffeinsatz“, sagt Schulze. So fährt das größte Schiff der Welt, die Mærsk Mc-Kinney Møller, mit einer Wetter-Routingsoftware von Meteogroup – so wie mehr als 3 000 Schiffe weltweit.

Bei Energieversorgern sei der Bedarf an genauen Prognosen deutlich gestiegen, betont Schulze. Auf der einen Seite gehe es dabei um die Einschätzung der Nachfrage durch Abnehmer, die mit Gas und Strom versorgt sein wollen. Auf der anderen Seite werde aber die Abschätzung des zu erwartenden Angebots immer wichtiger – weil durch den Ausbau der erneuerbaren Energien immer mehr Strom eingespeist wird, der von Sonne und Wind abhängt. „Allein durch die Energiewende hat unser Geschäft einen bedeutenden Schub erhalten“, sagt der Geschäftsführer.

Mit Software aus Berlin

Meteogroup, die kürzlich erst die Firma Meteomedia übernahm, hat unter anderem in Berlin-Adlershof einen großen Standort. Hier ist beispielsweise die Software entwickelt worden, mit der 3-D-Wetterflüge fürs Fernsehen möglich sind. Wenn Wetterberichte in Russland oder Slowenien über den Bildschirm laufen, hat nicht selten die Berliner Abteilung von Meteogroup ihre Computer im Spiel.

Dennis Schulze glaubt, die gesellschaftliche Debatte über den Klimawandel und Wetterextreme sowie die Bedeutung des Wetters für Unternehmen haben dazu beigetragen, dass die Arbeit der Meteorologen viel stärker nachgefragt wird als früher. Wind und Temperatur seien heute gut prognostizierbar, Bewölkung und Niederschlag seien regional dagegen schwieriger vorherzusagen. Hier liefen die Prozesse teilweise sehr lokal und kurzfristig ab.

So gibt er eine Wetterwarnung in eigener Sache ab: Auch wenn sich die Meteorologie immer weiter entwickle – sie könne nicht alles. „Wir können nicht am Morgen sagen, wo sich in einer Region am Nachmittag genau das Gewitter entlädt, wo der Blitz einschlagen wird und wo dann auch der Keller voll läuft“, sagt er. Da können sich eben innerhalb weniger Kilometer gravierenden Unterschiede im Wettergeschehen vollziehen. Auch wenn die physikalischen Gesetze gleichgeblieben sind: In der Vorhersage gebe es gewisse Grenzen, „man kann die Natur nicht komplett beherrschen“.

Eines ist also sicher: Ein bisschen Unsicherheit bleibt.