Das „Spiegel“-Verlagshaus an der Ericusspitze.
Foto: imago images / Jochen Tack

BerlinKurzarbeit ist in Zeiten von Corona nichts Ungewöhnliches. Auch nicht in der Medienbranche, die zwar vom gesteigerten Informationsbedürfnis der Menschen profitiert, der aber auch die Werbekunden wegbrechen.

In der Spiegel-Gruppe sind bereits einige Abteilungen in Kurzarbeit gegangen. Die Redaktion des Nachrichtenmagazins war bisher nicht betroffen, doch das kann sich ändern: Entsprechende Pläne liegen bereits auf dem Tisch. Sie würden „in der kommenden Woche mit dem Betriebsrat beraten“, erklärt eine „Spiegel“-Sprecherin.

Im Vorfeld dieser Entscheidung kam es jedoch zu einem Vorfall, der die Redaktion in Unruhe versetzte. Wie es in Redaktionskreisen heißt, erhielt Susanne Amann, als Managing Editor verantwortlich für Personal und Etat, den Auftrag, bei den „Spiegel“-Ressortleitern in Erfahrung zu bringen, auf welche Redakteure sie im Falle von Kurzarbeit am ehesten verzichten könnten.

Der Leiter des Kulturressorts, Sebastian Hammelehle, erbat sich Bedenkzeit. Er sagte Amann, dass er in dieser Angelegenheit ohne seine Co-Ressortleiterin keine Entscheidung treffen wolle. Sie sei aber nicht erreichbar.

Da die Angelegenheit eilte, machte Amann nochmals Druck, was allerdings zu nichts führte. So legte sie kurzentschlossen selbst für das Kulturressort eine Liste von acht möglichen Kurzarbeitern an. Ressortleiter Hammelehle habe daraufhin die Redakteure auf dieser Liste gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in Kurzarbeit zu gehen. Damit aber gelangte der Vorgang, den der „Spiegel“ offiziell weder bestätigen noch dementieren will, an die redaktionsinterne Öffentlichkeit.

Amanns Liste wurde inzwischen wieder kassiert. Doch da war das Kind längst in den Brunnen gefallen: Gerüchte über vom Verlag erstellte sogenannte „Todeslisten“ hatten schon zuvor in der Redaktion die Runde gemacht. Nun glaubte mancher, die Kurzarbeiterliste für das Kulturressort sei eine solche Todesliste.

Hintergrund der Gerüchte sind Pläne für einen Personalabbau in der Redaktion, die weniger mit der Corona-Krise, sondern eher mit der Fusion von Print- und Online-Redaktion in Zusammenhang stehen. Auf den Todeslisten, so heißt es, seien Mitarbeiter verzeichnet, von denen man sich trennen wolle; vorzugsweise ehemalige Printredakteure, weil die mehr verdienten als die Kollegen, die einst für Spiegel Online arbeiteten. Für weitere Verunsicherung sorgt deshalb der Umstand, dass von den acht Redakteuren auf der Kurzarbeiterliste dem Vernehmen nach sieben frühere Printredakteure waren.

Tatsächlich aber gibt es keine ernsthaften Indizien für die Existenz solcher „Todeslisten“. Der Verlag will den Personalabbau vor allem durch Vorruhestandsvereinbarungen bewerkstelligen. Denkbar wäre auch, auslaufende Verträge nicht zu verlängern und frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen. Da der Umfang des geplanten Personalabbaus im sehr niedrigen zweistelligen Bereich liegen soll, dürfte dieses Instrumentarium ausreichen.

Die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen redaktionellen Mitarbeiter wäre übrigens deutlich höher. Sie könnte zwischen 60 und 70 liegen.