Beim Thema Geld sparen und anlegen kommt heute kaum noch jemand an ETFs vorbei. Exchange Traded Funds, zu Deutsch börsengehandelte Indexfonds, sind eine einfache und günstige Möglichkeit, an der Börse zu investieren und langfristig Vermögen aufzubauen.

Sparpläne gibt es bereits ab einem Euro pro Monat. Doch geht die Auswahl an verschiedenen ETFs bereits in die Tausende. Nicht alle eignen sich für jede Anlagestrategie. Eine Anleitung, wie Anleger den für sie passenden ETF finden.

1. Einen breit gestreuten Index wählen

ETFs bilden immer die Werteentwicklung von ganzen Börsenindizes ab. Steigt der Index, entwickelt sich auch die Rendite des ETFs positiv. Bekannte Indizes sind etwa der Deutsche Aktienindex Dax oder der amerikanische Dow Jones. Neben Länderindizes gibt es auch Branchen- oder Strategieindizes. Je mehr Aktien in einem Index enthalten sind und je mehr Branchen vertreten sind, desto größer ist die Risikostreuung. Deshalb empfehlen etwa Stiftung Warentest oder die Verbraucherzentralen weltweit ausgerichtete ETFs. So sind im MSCI-World-Index beispielsweise 1600 Einzelaktien enthalten, im MSCI-All-Country-World-Index sogar rund 4000, während es bei einem ETF auf den Deutschen Aktienindex Dax nur 30 Einzelwerte sind. Auf einen Index gibt es dann immer mehrere ETFs von unterschiedlichen Anbietern. So sind derzeit beispielsweise 20 ETFs auf den MSCI World aufgelegt.

2. Fondsvolumen und Fondsalter beachten

Um sich zwischen den vielen ETFs zu entscheiden, hilft es, sich das Fondsvolumen sowie das Fondsalter anzugucken. „Das Fondsvolumen sollte nicht kleiner als 100 Millionen Euro sein, außerdem sollte sich der ETF mindestens drei Jahre am Markt befinden“, rät Jan Altmann von der Plattform justETF. Die Verbraucherzentralen raten sogar dazu, nur Fonds zu wählen, die mindestens über ein Fondsvolumen von 500 Millionen Euro verfügen. „Je geringer das Vermögen ist, das in einem ETF verwaltet wird, desto größer ist die Gefahr, dass die Fondsgesellschaft den Fonds irgendwann schließt oder dieser mit einem anderen Fonds verschmolzen wird“, so die Einschätzung der Verbraucherschützer. Die Folge: Anleger würden ihr Vermögen zwar ausgezahlt bekommen, müssten dieses aber direkt versteuern.

3. Auf geringe Kosten achten

ETFs sind günstiger als aktiv verwaltete Aktienfonds. Das liegt daran, dass es bei einem ETF keinen Fondsmanager braucht, der Aktien aktiv auswählt. Der ETF orientiert sich schließlich direkt am Index. Dennoch gibt es laufende Kosten, die zwischen 0,1 und 0,5 Prozent pro Jahr liegen. „Es lohnt sich, die Anbieter zu vergleichen und nach dem günstigsten Ausschau zu halten“, sagt Altmann. Neben der Gesamtkostenquote, der sogenannten Total Expense Ratio (kurz TER), müssen Anleger noch Depot- und Ordergebühren bedenken. Auch hier unterscheiden sich die Anbieter. Bei einigen Online-Brokern finden sich noch kostenlose ETF-Sparpläne ohne Depotgebühren.

4. Zwischen physischem und synthetischem ETF entscheiden

Wer einen ETF sucht, wird auch auf die Bezeichnungen „physisch“ und „synthetisch“ treffen. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Bauarten von ETFs, die sich danach unterscheiden, wie ein Index nachgebildet wird. Während ein physischer ETF tatsächlich einfach alle Wertpapiere im Index nachkauft, enthält ein synthetischer ETF in Wahrheit nicht die entsprechenden Aktien aus dem zugrundeliegenden Index, sondern unabhängig vom Index andere Wertpapiere. Dass die Werteentwicklung sich trotzdem so entwickelt wie der Index, lässt sich der ETF-Anbieter von einer Bank zusichern. Das kann im Endeffekt günstiger sein, als alle Aktien genau wie im Index nachzukaufen. Wenn ein Anleger immer genau wissen will, in welchen Wertpapieren sein Geld investiert ist, sollte zu physischen ETFs greifen. „Besser oder schlechter ist aber keine der beiden Varianten“, sagt Altmann.

5. Zwischen ausschüttendem und thesaurierendem ETF entscheiden

Auch bei der Art, wie Anleger an Unternehmensgewinnen beteiligt werden, gibt es zwei verschiedene. Bei einem ausschüttendem ETF bekommt der Anleger die Dividenden einmal pro Quartal oder Jahr ausgezahlt. Er profitiert also regelmäßig von kleinen Gewinnen, ohne dass der Fonds aufgelöst werden muss. Bei einem thesaurierendem ETF, auch „wiederanlegend“ genannt, wird die Dividende dem Fondsvermögen gutgeschrieben. Der Anleger muss sich um nichts weiter kümmern und auch die Dividenden können von der Wertentwicklung des Fonds profitieren. Hingegen haben ausschüttende ETFs einen anderen Vorteil: „Liegt die Ausschüttung unterhalb des Sparerpauschbetrags von derzeit 801 Euro im Jahr, muss ich diesen Gewinn nicht versteuern“, sagt Altmann. Es winkt also ein kleiner Steuervorteil.

6. Eigene Präferenzen setzen: Sparplanfähigkeit? Fokus Nachhaltigkeit?

In ETFs können Anleger mittels einer Einmalanlage von mehreren Tausend Euro investieren oder monatlich eine bestimmte Summe auf einen Sparplan überweisen. Mittlerweile sind zwar fast alle ETFs sparplanfähig, wenn man diese Variante wählt, sollte man dennoch vorher prüfen, ob ein Sparplan bei dem gewünschten ETF möglich ist.

Auch wer Wert auf einen bestimmten Anlagefokus legt – beispielsweise nur in Unternehmen investieren will, die nachhaltig wirtschaften, muss konkret danach recherchieren.

Eine Übersicht über konkrete Produkte und Merkmale (ausschüttend oder thesaurierend etc.) finden Anleger zum Beispiel bei stiftung-warentest.de oder speziellen ETF-Portalen wie justetf.com oder extraetf.com.