Berlin - Whistleblower auf der ganzen Welt wurden nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie erpresst, zum Schweigen gebracht oder verfolgt. Li Wenliang in Wuhan, China, der an einer Infektion mit dem Coronavirus starb, wurde gezwungen, eine polizeiliche Erklärung zu unterschreiben, dass seine Warnhinweise über das Coronavirus illegal seien. Der Arzt Ming Lin wurde in Seattle, USA, gefeuert, weil er ein Interview über unzureichende Schutzausrüstung und Tests gab.

All diese Angriffe auf die Freiheit sind skandalös. Denn der Akt, sich für eine Gesellschaft mit weniger Korruption, mehr Transparenz und weniger Machtintrigen zu engagieren, sollte nicht diskriminiert und geächtet werden, sondern im Gegenteil – belohnt und gefördert.

Um auf diese Problemlage aufmerksam zu machen, findet ab dem 18. bis zum 21. März in Berlin die Digitalkonferenz „Behind The Mask. Whistleblowing During The Pandemic“ statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Berliner Thinktank „Disruption Network Lab“, der sich für kritisches Denken und Meinungsfreiheit einsetzt. Die Berliner Zeitung ist offizielle Medienpartnerin der Konferenz.

Schutz vor Missbrauch im Gesundheitssystem

Die Veranstaltung soll sich auf die Rolle von mutigen Menschen konzentrieren, die Missstände in Institutionen aufdecken – sowohl in der digitalen Welt als auch im täglichen Leben. Es geht darum, in der Gesundheitskrise neue Ideen zu entwickeln und mehr Aufklärung über Fehlverhalten und Missbrauch im Gesundheitswesen zu schaffen. Inspiriert von Whistleblowern und im Dialog mit ihnen wollen die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Kraft und Energie dafür einsetzen, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und gesellschaftliche Veränderungen zu fördern.

Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag (18. März 2021) um 15 Uhr mit dem chinesischen Dissidenten Ai Weiwei, der seine Dokumentation „Coronanation“ diskutieren wird. Der Film blickt hinter die Kulissen des chinesischen Staatsapparats nach Ausbruch der Pandemie in Wuhan. Um 15.30 Uhr diskutieren internationale Gäste im Rahmen eines Panels die Frage, wie gefährlich im Jahr 2021 das Whistleblowing geworden ist. Unter den Gästen befindet sich etwa Thuli Madonsela, Professor an der Stellenbisch University und Verteidiger von Freiheitsrechten in Südafrika.

Außerdem diskutieren Menschenrechtsaktivist Stefano Fusco aus Mexiko und der Anti-Korruptionskämpfer Roberto Perez-Rocha von Trancparency International über die Situation des Whistleblowings in Lateinamerika. Um 18.30 Uhr startet die Hauptveranstaltung mit den Whistleblowern Erika Cheung aus den USA und Eileen Chubb aus Großbritannien. Sie wollen sich hinsichtlich der Frage austauschen, wie man Mitarbeiter im Gesundheitssystem vor Missbrauch schützen kann.

Die Situation von Julian Assange

Am Freitag, den 19. März, will die Konferenz die Frage nach der Notwendigkeit von kritischem Journalismus während der Pandemie beleuchten. Dabei soll es vor allem um Machtmissbrauch in Pharmakonzernen gehen. Mit Blick auf die Impfstoffbeschaffung und die kommerziellen Interessen von Regierungen und Pharmaunternehmen soll diskutiert werden, wie die kritische Öffentlichkeit über die Beschaffungsprozesse Einblicke bekommen und mitentscheiden kann.

Am Sonnabend, den 20. März, wollen vier internationale Gäste ab 11 Uhr über die Situation des inhaftierten Whistleblowers Julian Assange diskutieren. Wie geht es mit ihm weiter? Inwiefern ist seine Inhaftierung eine Gefahr für die europäische Demokratie? Neben den Diskussionsrunden finden außerdem diverse Panels statt, die sich mit Fragen zu Biopolitik und dem Gesundheitswesen beschäftigen.

Info: „Behind The Mask. Whistleblowing During The Pandemic“, vom 18. bis 21. März 2021. Zugang zu allen Livestreams unter: https://www.disruptionlab.org/