Je mehr Zustellversuche Paketboten auf sich nehmen müssen, desto mehr klimaschädliche Emissionen werden erzeugt.
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BerlinViele Dinge des Lebens bekommt man derzeit nur noch online. Ob Kleidung, Spielsachen oder Sportgeräte – im Grunde alles, was es nicht in Lebensmittel-, Drogerie-, Baumärkten oder Apotheken gibt, die inmitten der Corona-Krise geöffnet haben dürfen. Nachhaltig ist permanentes Onlineshopping allerdings in aller Regel nicht. Der Versand erzeugt klimaschädliches Kohlenstoffdioxid, noch mehr, wenn Artikel zurückgeschickt oder umgetauscht werden. Doch das ist nicht der einzige Faktor, der beim Onlinehandel in den Bereich Nachhaltigkeit fällt. Auch machen Arbeitsbedingungen der Paketzusteller einen Unterschied – ob sie fair und gut bezahlt oder unter hohem Druck arbeiten müssen. Wem als Kunde auch beim Online-Shopping Nachhaltigkeit wichtig ist, kann einige Aspekte beachten.

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1. Regionale Onlineshops ansteuern

Tatsächlich bescheinigen viele Studien dem Online-Einkauf im Vergleich zum stationärem Shopping eine relativ gute Ökobilanz. Das, so schreibt der Rat für Nachhaltige Entwicklung, ein Expertengremium, das von der Bundesregierung berufen wird, sei allerdings nur der Fall, wenn die Studienmacher von einer Shoppingtour mit dem Auto ausgehen. Würde jeder Kunde für seine Einkäufe mehrere Kilometer mit dem eigenen Wagen zurücklegen, käme ein Lieferfahrzeug, dass Fahrten bündelt, in der Umweltbilanz besser bei weg, so die Erklärung. Würden hingegen Bus oder Bahn genutzt oder gar der Weg zu den Geschäften mit dem Fahrrad oder zu Fuß bestritten, würde sich die Bilanz zugunsten des stationären Shoppings verschieben.

Diese Vorteile auch auf das Online-Shopping übertragen, können Verbraucher, indem sie gezielt Webshops ansteuern, die ihre Geschäfte und Lager in der Region haben. Nicht nur, dass lokale Geschäftsinhaber damit unterstützt werden, wird die Ware im besten Fall auch per Fahrradbote ausgeliefert, und auch wenn nicht, sind die Lieferwege und damit die erzeugten klimaschädlichen Emissionen geringer.

Nachhaltigkeitssiegel

Der Blaue Engel: Das blau-weiße Kreissymbol zeigt an, dass strenge ökologische Kriterien bei der Produktion eingehalten wurden oder bei der Nutzung die Umweltverträglichkeit im Vordergrund steht. Das Nachhaltigkeitssiegel findet sich zum Beispiel auf Büromaterialien, aber auch einigen Textilien.

Fairtrade: Das Siegel legt seinen Schwerpunkt auf faire Arbeits- und Produktionsbedingungen, bezieht aber auch ökologische Kriterien mit ein. Mit dem Fairtrade-Symbol werden zum Beispiel Lebensmittel, Blumen oder einige Kosmetikprodukte  gekennzeichnet.

Wenn die Lieferung doch aus weiter entfernten Regionen kommen muss, können Kunden außerdem auf die Ökostrategien der Zustellfirmen achten. Deutsche Post DHL verspricht beispielsweise im Inland unter dem Label „GoGreen“ Privatsendungen standardmäßig klimaneutral zu versenden. Generell bedeutet das Versprechen von Versandhandelsunternehmen klimaneutral zu versenden aber nicht immer, dass auch keine Emissionen erzeugt werden. Manches Mal werden Transportwege auch mit CO2-Zertifikaten ausgeglichen. DPD zum Beispiel teilt mit, das für nicht vermeidbare Transportemissionen im Gegenzug Projekte für erneuerbare Energien und saubere Energieerzeugung finanziert werden.

2. Einzelbestellungen und Retouren vermeiden

Wenn schon online shoppen, dann gesammelt: Jede einzeln geschickte Ware muss wieder mit einem Lieferfahrzeug transportiert werden, was unnötige Emissionen verursacht. Dasselbe gilt für zurückgeschickte Pakete. Hinzu kommt, dass Onlinehändler unterschiedlich mit den Retouren umgehen. Häufig ist es teurer den jeweiligen Artikel auf Mängel zu prüfen und neu auszuzeichnen als ihn einfach zu vernichten. Weswegen sich viele Onlinehändler für letztere Möglichkeit entscheiden. Laut einer Erhebung der Universität Bamberg sind im Jahr 2018 schätzungsweise 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel retourniert worden. Das entspricht jedem sechsten bestellten Paket beziehungsweise jedem achten bestellten Artikel. Von denen seien nach den Angaben der Forscher circa 20 Millionen nach der Retoure entsorgt worden.

Genau abzuwägen, was man bestellt, hilft bei der Klimabilanz also ungemein. Vielleicht steht in der Beschreibung, ob das ausgewählte Kleidungsstück eher groß oder eher klein ausfällt, so dass man schon vorher die Größe abschätzen kann und nicht drei verschiedene Modelle bestellen muss. Auch bei Möbelbestellungen sollte vorher Maß genommen werden, um Retouren so weit es geht zu vermeiden.

3. Keine Expresslieferungen

Wenn es nicht unbedingt nötig ist, sollten Verbraucher auf Expresslieferungen verzichten, empfiehlt der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Kurze Lieferzeiten und Wunschuhrzeiten würden dazu führen, dass Zusteller weniger sparsam unterwegs sein müssten, als sie es könnten. Zudem steigt der Logistikaufwand. Wenn allerdings Wunschuhrzeiten dazu führen, dass Empfänger zum Zeitpunkt der Lieferung auch Zuhause sind, werden erneute Zustellversuche vermieden – wie auch eine höhere Belastung der Paketboten.

4. Auf gute Arbeitsbedingungen der Paketzusteller achten

Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf ökologische Aspekte, sondern auch auf soziale und demzufolge auf faire Arbeitsbedingungen. So arbeitet DHL zum Beispiel fast ausschließlich mit eigenen Zustellern zusammen, während die anderen großen Zustellfirmen wie Hermes, DPD oder UPS zum Großteil mit Subunternehmen zusammenarbeiten. Der große Unterschied: Die direkt angestellten Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt, die anderen nicht. Welches Unternehmen im Einzelnen aber gute und welches weniger gute Arbeitsbedingungen für Zusteller im eigenen Bezirk bietet, ist für Kunden schwer einzuschätzen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt beim Online-Anbieter nach dem Firmenkodex im Bereich Sozialstandards zu fragen. Ansonsten kann jeder Kunde selber mithelfen und Belastungen verringern, indem wiederholte Zustellversuche vermieden werden.