Eins oder eben doch neun Regionalisten, das ist die Frage.
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BerlinMan könnte glauben, der ARD müsse es gut gehen. Dank der für 2021 geplanten Erhöhung des Rundfunkbeitrags von 17,50 auf 18,36 Euro gehört der Senderverbund – neben dem ZDF und Deutschlandradio – zu den ganz wenigen klassischen Medienunternehmen, die demnächst steigende Einnahmen zu verzeichnen haben.

Tatsächlich aber ist die Stimmung in der ARD mies. Das zeigt recht anschaulich das Beispiel des NDR, der vergangene Woche verkündete, trotz der Beitragserhöhung in den kommenden vier Jahren 300 Millionen Euro einsparen zu müssen. Begründet wird der Sparkurs mit Argumenten wie der Beitragsbefreiung von Zweitwohnungen, die dem NDR „größere Einnahmeausfälle als anderen Sendern“ beschere. Genannt wird auch der wegen eines Asbestfunds erforderliche Neubau eines Redaktionshauses in Hamburg.

Besonders interessant ist die erklärungsbedürftige Argumentation, „bei der Verteilung des Rundfunkbeitrages“ habe „das komplizierte KEF-Verfahren für den NDR einige Nachteile“. Ganz offenbar übt der Sender hier subtil Kritik an anderen ARD-Anstalten: Die KEF ist die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten. Sie hat festgestellt, dass viele ARD-Anstalten, im Gegensatz zum NDR, ihre Programmetats nicht ausgeschöpft haben. Folglich hat die KEF bei der Berechnung des neuen Rundfunkbeitrags die von den ARD-Anstalten fürs Programm geforderten Mittel gekürzt, auch die des NDR.

Ist das der Grund, warum die Norddeutschen nun mehr als 15 Prozent ihrer Einsparungen durch Kürzungen im ARD-Gemeinschaftsprogramm erzielen wollen? Ende vergangener Woche sagte NDR-Intendant Joachim Knuth vor Mitarbeitern, sein Sender werde seine Zuwendungen für die ARD-Filmeinkaufsorganisation Degeto und die Sportrechte der ARD um insgesamt 45 Millionen kürzen. Zudem wird der NDR, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt, 6,5 Millionen weniger für Unterhaltung ausgeben. Davon wird ebenfalls das ARD-Gemeinschaftsprogramm betroffen sein. Zu den Unterhaltungsprogrammen, bei denen gespart wird, zählt auch der „Tatort“.

Der NDR habe „sich in der Vergangenheit vor allem im Bereich der Unterhaltung zum Teil deutlich stärker im Ersten engagiert, als es die Vereinbarungen innerhalb der Landesrundfunkanstalten vorsehen“, sagt die Sendersprecherin. Damit dürfte es nun erst einmal vorbei sein, auch wenn die Sprecherin einräumt, dass über die Einsparungen, die die Degeto und die Sportrechte betreffen, die neun ARD-Anstalten gemeinsam entscheiden müssen.

Dabei benötigt die ARD mehr denn je Sender, die bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen als andere. Dies zeigt beispielhaft die Auseinandersetzung um die geplante digitale ARD-Kulturplattform in Halle, die, wie berichtet, der Bayerische Rundfunk nicht mittragen mag. Wie das Handelsblatt nun meldet, wollen die übrigen acht Anstalten die Plattform im Alleingang stemmen. Die Frage ist, wie das gelingen soll, wenn neuerdings selbst ARD-Schwergewichte wie der NDR nur das Allernötigste für die gemeinschaftlichen Aufgaben des Senderverbundes tun wollen.