Alles wieder auf null. Im Tarifstreit der Lufthansa mit ihren Piloten sind die Verhandlungen am Wochenende ergebnislos abgebrochen worden. Wie es nun weitergeht, ist offen. Die Flugzeugführer jedenfalls schalten erst einmal auf stur.

Piloten fühlen sich getäuscht

Man könne „keinen Sinn in weiteren Gesprächen mehr erkennen“, heißt es in einem internen Schreiben der VC-Verhandlungskommission. Hintergrund ist offenbar, dass sich die Piloten einmal mehr vom Lufthansa-Management getäuscht fühlen. Lösungen seien unmöglich, wenn der Gesprächspartner „das gemeinsam erarbeitete Verständnis nicht mehr wahrhaben will oder sich nicht mehr daran erinnern kann“.

Die Diskussionen waren noch nicht einmal offizielle Tarifverhandlungen, sondern Vorgespräche, die Eckpunkte definieren sollten. Im Kern wird vor allem über zweierlei gestritten: Erstens um die Konditionen für den Vorruhestand der Piloten und um deren Betriebsrente. Zweitens um die Bezahlung der Flugzeugführer bei der Billigtochter Eurowings.

Der Konflikt begann im Frühjahr 2012, als der Tarifvertrag über die Vergütung auslief. Doch seit Ende 2013 stehen die Rentenzahlungen im Vordergrund. Das Thema Eurowings kam im vorigen Jahr hinzu, als sich der Konzern de facto in zwei Teile zerlegte. Die gelb-blaue Fluglinie mit dem Schwerpunkt Langstrecke und Low-Coster Eurowings, der in Europa unterwegs ist.

Lufthansa will Gespräche auf jeden Fall weiter führen

Die Lufthansa indes machte am Sonntag deutlich, dass man zu weiteren Gesprächen bereit sei und dass alles daran gesetzt werde, dass diese wieder aufgenommen werden. In den vergangenen vier Jahren hatten sich die Piloten mehrfach beleidigt zurückgezogen, waren dann aber doch wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt.

Der VC-Sprecher machte deutlich, dass seine Organisation prinzipiell dazu stehe, die Lufthansa wettbewerbsfähig zu halten. Jetzt wird es aber mutmaßlich erst einmal eine Phase ohne Funkkontakt geben. Flugreisende müssten indes derzeit keine Streiks befürchten, sagte ein VC-Sprecher. Schließlich habe es sich nur um Vorgespräche und keine Tarifverhandlungen gehandelt.

Die Piloten hatten insgesamt 13 Mal die Arbeit zeitweise niedergelegt. Der bislang letzte Streik wurde im September 2015 von einem Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts gestoppt. Seither ist es aus rechtlichen Gründen für die Piloten erheblich schwerer geworden, Ausstände durchzuziehen.

Tarifverhandlungen mit Hebelwirkung

Das hat damit zu tun, dass die Cockpit-Leute nicht nur normale Tarifverhandlungen führen, sondern diese als Hebel nutzen, um bei unternehmerischen Entscheidungen mitmischen wollen. Konkret geht es um die Arbeitsbedingungen bei Eurowings. Konzernchef Carsten Spohr hat die Vorgabe gemacht, dass die Tochter die Kosten um 40 Prozent drücken muss, um mit Easyjet und Ryanair mithalten zu können.

Welche Auswirkungen das konkret für die Gehälter der Piloten hat, wollte die VC durch einen Vergleich mit der Bezahlung der Kollegen bei Easyjet ermitteln – darüber soll in der Vergangenheit viel diskutiert worden sein. Die Gewerkschaft mutmaßt, dass die Lufthansa die Tochter als Vehikel benutzen will, um langfristig das Gehaltsgefüge im gesamten Konzern merklich nach unten zu drücken.

Zudem befürchten die Piloten unter anderem, dass Eurowings immer mehr Aufgaben von der blau-gelben Kernmarke übernimmt. Dazu könnten Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München gehören.

Auch Verhandlungen um Frührente sind festgefahren

Auch bei der Frührente klemmt es bei den Verhandlungen. Hier will die Lufthansa erreichen, dass die Piloten künftig nicht mehr schon mit 55 aus dem aktiven Dienst ausscheiden können, sondern deutlich später. Das soll langfristig die hohen Belastungen für die Pensionskasse des Konzerns drücken.

Dem soll auch eine Umstellung der Betriebsrenten dienen. Bislang gab garantierte Auszahlungssummen. Das hat die Lufthansa massiv unter Druck gesetzt, da es angesichts des niedrigen Zinsniveaus zunehmend schwer fällt, die einst eingeplanten Renditen zu erreichen. Deshalb muss immer wieder Geld nachgeschossen werden.

Künftig will das Unternehmen nur noch einen fixen Beitrag  garantieren, der Gesamtertrag für die Piloten wird dann je nach Lage am Kapitalmarkt variieren. Für Flugbegleiter und Bodenpersonal gibt es bereits entsprechende Vereinbarungen.