Es sollte der Befreiungsschlag für Microsoft werden: Mit Windows 8 versuchte der Softwarekonzern vor einem Jahr auf den Trend zu Tablets und Smartphones zu reagieren: Das Betriebssystem mit der Kacheloberfläche sollte Touchscreen-Oberfläche und Desktop-Nutzer zugleich bedienen – und floppte bei beiden: Die Microsoft Tablets verkauften sich schlecht. Microsoft musste allein 900 Millionen Dollar auf seinen Tablet Surface RT abschreiben.

Zugleich konnten viele Desktop-Nutzer nichts mit der neuen für Touchscreens optimierten Oberfläche anfangen – und bevorzugten das Windows 7, von Firmen immernoch die bevorzugte neue Windows-Version. Im letzten Monat wuchs der Marktanteil des Windows-7-Betriebssystem sogar stärker als der von Windows 8. Der Gewinn der Windows-Sparte halbierte sich im letzten Berichtsquartal auf knapp 1,1 Milliarden Dollar. Steven Sinofsky, Microsofts langjähriger Windows-Chef, verließ das Unternehmen bereits kurz nach der Markteinführung. Microsoft-Chef Steve Ballmer musste zugestehen, dass sich Windows 8 schlechter verkauft als erwartet.

Windows 8 wurde gründlich überarbeitet

Das Problem für Microsoft ist nur: Ein Zurück gibt es nicht, denn der PC-Markt schrumpft weiter. Nach neuen Analysezahlen des Marktforschungsunternehmens Gartner im letzten Quartal zum sechsten Mal in Folge – und zwar um 8,6 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. So muss Microsoft weiter versuchen, Fuß zu fassen in der neuen mobilen Computerwelt: Eine überarbeitete Version des Surface-Tablets kommt am 22. Oktober in die Läden – und Windows 8 wurde nur einem Jahr nach der Einführung gründlich überarbeitet.

Die sichtbarste Neuerung von Windows 8.1: Der Startbutton kehrt zurück – wenn auch in anderer Funktion als vorher. Wer draufklickt kommt nicht in das von früheren Windows-Versionen gekannte Startmenü, sondern in die Kachelwelt. Windows 8.1 bleibt eine Kombination aus zwei Betriebssystemwelten: Desktop-Oberfläche mit Fenstern und die Welt der Kacheln, die für Touchscreen-Nutzer gedacht sind. Von dort lassen sich dann die Programme starten. Desktop-Nutzer erhalten in der neuen Windows-Version aber einen einfacheren Zugriff auf ihre Systemeinstellungen, indem sie mit der rechten Maustaste auf den Button klicken.

Zudem lässt Microsoft ihnen nun mehr Freiheit noch mehr Zeit auf der Desktop-Oberfläche zu verbringen, indem sie nun direkt zu der „alten“ Windows-Oberfläche booten können – also der ohne Kacheln. Mehr Freiheit gibt es auch bei der Gestaltung der Kacheloberfläche: Die Kacheln lassen sich etwa nun in unterschiedlichen Größen anpassen und Farbgebung und Hintergründe stärker personalisieren. Auf hochauflösenden Bildschirmen lassen sich bis zu vier Apps gleichzeitig anzeigen.

Mehr Web-Dienste

Microsoft integriert zudem mit Windows 8.1 verstärkt seine Web-Dienste: Am sichtbarsten ist dies bei der Suche: Ergebnisse aus Microsofts Suchmaschine Bing werden nun neben den Dokumenten angezeigt, die auf der lokalen Festplatte oder Microsofts Cloudspeicher-Dienst liegen: Bing zeigt dabei nicht nur Websites an, sondern zieht aus Wikipedia und anderen Quellen Schlüsselinformationen über die gesuchte Person und zeigt neben Websites auch Videos, Bilder und aktuelle Nachrichten an, die es aus Bing News zieht.

Microsoft hat zudem die Synchronisation mit seinen Cloud-Speicherdienst Skydrive tiefer in das System integriert. Praktisch ist dabei, dass Windows 8.1 die Dateien nur bei Bedarf herunterladen kann. So wird weniger Festplattenspeicher verwendet – nützlich vor allem für Tablet-Nutzer.

Für Windows 8-Nutzer lohnt sich daher das Update - zumal es für sie kostenlos ist. Nicht alle können es bislang allerdings auch installieren: Für Nutzer der hauseigenen Surface-RT-Tablets musste Microsoft das Update wieder zurücknehmen, da es bei einigen Nutzern zu Problemen kam. Eine überarbeite Version soll aber bald zur Verfügung stehen. Nutzer älterer Windows-Systeme zahlen dagegen mindestens 120 Euro für die neue Windows-Version. Wer keinen Touchscreen nutzt, sollte sich daher gründlich überlegen, ob er die Kacheloberfläche wirklich braucht.