Der Wirtschaftsprüfer, der für die Sonderprüfung zum Bilanzbetrug beim früheren Dax-Unternehmen Wirecard verantwortlich war, hat deutliche Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. „Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen“, sagte Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden. Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt.

Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Florian Toncar von der FDP zieht aus dem Verhalten von Wirecard bestimmte Schlussfolgerungen für den jahrelange Wirtschaftsprüfer des Unternehmens, EY.

Diese sind zum Teil entlastend. Toncar sagte dieser Zeitung: „KPMG vermeidet direkte Bewertungen der Arbeit von EY. Aber es wird deutlich, dass Wirecard gegenüber KPMG für den Zeitraum 2016 bis 2018 keinen ausreichenden Nachweis der Existenz von Kundenbeziehungen, Umsätzen, Zahlungseingängen, Kontoguthaben, Verträgen mit TPA-Partnern und den hinter dem TPA-Geschäft stehenden Transaktionsvolumina beigebracht hat. Das beweist noch nicht vollständig, dass das gegenüber EY ebenfalls nicht geschehen ist, aber es legt dies doch sehr nahe. Denn warum sollte Wirecard mit KPMG weniger gut kooperieren als mit EY, wo doch für Wirecard alles an einem positiven KPMG-Bericht lag. “

Es könnte dennoch sehr eng für EY werden. Toncar: „Es wird aber zwischen den Zeilen sehr deutlich, dass EY keinesfalls hätte testieren dürfen, wenn es dieselben Informationen bekommen bzw. nicht bekommen hat wie KPMG. Die Parallele lässt sich durchaus ziehen, da in beiden Prüfungen der IDW standard 302 anwendbar war.“

Ein besonderes Problem dürfte die Anzeige der Aufsicht APAS sein, die schwere Vorwürfe gegen EY erhebt. Toncar: „Die APAS-Anzeige ist ein sehr deutlicher Beleg dafür, dass die APAS schwerwiegende Fehler bei EY sieht. Das ist hochgradig relevant für die Aussichten von geschädigten Anlegern, Schadensersatz zu bekommen. Wenn wirklich eine Straftat eines für Wirecard zuständigen Prüfers vorgelegen haben sollte, dann würde es sehr eng werden für EY. “

Danyal Bayaz von den Grünen sagte: „Der Auftritt von Alexander Geschonneck hat sehr klar die eklatanten Defizite bei den Jahresabschlussprüfungen der Wirecard AG offen gelegt. Für den Abschlussprüfer EY sind die Aussagen über fehlende Nachweise von zentralen Kundenbeziehungen, Umsätzen und Kontonachweisen ein desaströses Zeugnis.“

Fabio De Masi von der Linken sagte, die Bundesregierung dürfe keine weiteren öffentlichen Aufträge mehr an EY vergeben. (mm, mit dpa)