Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich während der fünfeinhalb Stunden dauernden Befragung durch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages höflich und auskunftsbereit. An einem Punkt allerdings wurde er für seine Verhältnisse erstaunlich schroff und abweisend: Die Abgeordneten wollten wissen, wie Guttenberg für seine Dienste von Wirecard bezahlt worden sei. Guttenberg hatte zuvor angegeben, dass er von Wirecard für die Einfädelung des China-Geschäfts zum großen Teil erfolgsabhängig bezahlt worden sei: Laut Guttenberg hätte Spitzberg Partners vor allem vom „zukünftigen Geschäftserfolg“ Wirecards in China profitiert. Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe wollte wissen, welche Komponenten der Erfolgsanteil enthalten habe. Guttenberg sagte, dass er dies nicht wisse, er habe die Verträge mit Wirecard nicht unterschrieben. Dies sei die Aufgabe der Managing Partners Ulf Gartzke gewesen. Guttenberg sagte, Optionen auf Anteile (stock options) seien kein Bestandteil des Vertrages gewesen.

Er sagte, es sei nicht möglich, die Summe zu beziffern, weil die Vergütung in der Zukunft gelegen habe und diese wegen des vorzeitigen Scheiterns von Wirecard gar nie eingetreten sei.  Kiziltepe hakte nach und wollte wissen, ob einer der Erfolgsfaktoren auch die Entwicklung des Aktienkurses gewesen sei. Guttenberg sagte dazu, er könne sich dazu nicht äußern, weil er die Verträge im Detail nicht kenne. Auch eine entsprechende Nachfrage des FDP-Abgeordneten Florian Toncar beantwortete Guttenberg mit Nichtwissen. In diesem Zusammenhang spielte ein Artikel eine Rolle, den Guttenberg in der FAZ mitten in der Corona-Krise zum Thema Leerverkäufe veröffentlicht hatte. Darin bezeichnete Guttenberg das Mittel der Leerverkäufe als gefährlich. Mit Leerverkäufen hatten Hedgefonds gegen Wirecard gewettet, weil sie bereits im Jahr 2018 zur Auffassung gelangt waren, dass die Geschäfte von Wirecard betrügerischer Natur seien. Die FT hatte die Vorwürfe aufgegriffen, was Wirecard als Attacke gegen das Unternehmen darstellte. Die Bafin verhängte ein Leerverkaufsverbot gegen Wirecard. Die Staatsanwaltschaft München ermittelte gegen den kritischen FT-Journalisten. Für jene, die von einem steigenden Aktienkurs bei einem Unternehmen profitieren, sind Leerverkäufe („shortselling“) ein Problem. In der Regel sind Leerverkäufer Hedgefonds, die ein Unternehmen analysieren und zu dem Ergebnis kommen, dass entweder Fundamentaldaten oder Marktchancen eines Unternehmens ein substanzielles Problem darstellen. (mm.)