Olaf Scholz und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Olaf Scholz und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
dpa/Kay Nietfeld

Berlin - Im Bilanz-Skandal des mittlerweile insolventen Finanzdienstleisters Wirecard rückt die Rolle des Bundesfinanzministeriums in den Mittelpunkt des Interesses. Sarah Ryglewski (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin, hatte auf Anfrage der Oppositionspolitiker Fabio De Masi (Linke) und Danyal Bayaz (Grüne) eine detaillierte Chronologie der Ereignisse um Wirecard erstellt. Diese Chronologie liegt der Berliner Zeitung vor. Sie zeigt, dass sich das Bundesfinanzministerium als übergeordnete Behörde der Bankenaufsicht BaFin erst im Frühjahr 2016 für Wirecard zu interessieren begann – knapp ein Jahr nachdem die Financial Times mit ihrer Artikelserie „House of Wirecards“ über Manipulationen und fragwürdige Geschäftspraktiken bei Wirecard berichtet hatte. Das Hauptinteresse des Ministeriums und der BaFin galt jedoch nicht den FT-Berichten, sondern einem Bericht von Zatarra Research, einer anonymen Website, die über mögliche Vorfälle von Korruption, Betrug, Geldwäsche bis hin zur Beteiligung an illegalem Glücksspiel berichtete. Nach Veröffentlichung fiel der Kurs der Wirecard-Aktie um rund 25 Prozent. Die Aufsicht ermittelte wegen Marktmanipulationen und hegte den Verdacht von Shortsellern. Wirecard hatte diese Version zuvor in Umlauf gebracht und die FT beschuldigt, mit den Shortsellern gemeinsame Sache zu machen. Danach geschah jahrelang im Grund nichts mehr, wohl auch, weil die Wirtschaftsprüfer von EY die Bilanzen der Wirecard AG ohne Beanstandung testierten.

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