Eine Wirecard-Kreditkarte.
Wirecard_AG

Der wegen eines Bilanz-Skandals in die Insolvenz gerutschte deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard soll auch für die Mafia tätig gewesen sein. Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge wickelte Wirecard Zahlungen für ein maltesisches Online-Casino ab, von dem später bekannt wurde, dass es Geld für einen mächtigen Arm der Ndrangheta, einer der gefährlichsten Mafia-Organisationen Europas, gewaschen hat. Italienische Gerichtsakten und Dokumente, die von der FT eingesehen wurden, bestätigten, dass Wirecard bis 2017 Zahlungen für CenturionBet abwickelte, ein in Malta ansässiges Glücksspielunternehmen.

Das Unternehmen wurde von italienischen Gerichten als Geldwäsche-Betrieb eingestuft, der für die organisierte Kriminalität arbeitete. Zu den Aktivitäten der CenturionBet gehörte laut FT die Übernahme der Kontrolle über eines der größten Aufnahmezentren für Flüchtlinge in Europa und die Abzweigung von EU-Mitteln zur Versorgung von Migranten aus dem Norden Afrika.

Auch in Deutschland gehen die Ermittlungen weiter: So ist die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht gegen das Unternehmen EY tätig geworden. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle (Apas) habe den gesetzlich festgelegten Auftrag, die Einhaltung berufsrechtlicher Pflichten von Abschlussprüfern bei Unternehmen von öffentlichem Interesse zu prüfen, betonte das Ministerium dazu gehöre auch die Wirecard AG.

Ein Sprecher von EY sagte der Berliner Zeitung: „Wir unterstützen alle behördlichen Untersuchungen im Fall Wirecard und arbeiten mit allen zuständigen Behörden und Aufsichtsstellen vollumfänglich zusammen. Auch uns ist daran gelegen, dass die Vorgänge umfassend, rückhaltlos und rasch aufgeklärt werden.“ EY habe im Rahmen der Abschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2019 entdeckt, dass gefälschte Saldenbestätigungen und weitere gefälschte Unterlagen für die Treuhandkonten vorgelegt wurden: „Dies wurde den zuständigen Behörden sowie dem Unternehmen und seinem Aufsichtsrat mitgeteilt.“

Es gäbe „deutliche Hinweise, dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren. Konspirativer Betrug, der darauf abzielt, die Investoren und die Öffentlichkeit zu täuschen, geht oft mit umfangreichen Anstrengungen einher, systematisch und in großem Stil Unterlagen zu fälschen.“ Auch mit umfangreich erweiterten Prüfungshandlungen sei es nicht möglich, diese Art von Betrug aufzudecken. (mm.)

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