Danyal Bayaz will wissen, warum Warnhinweise ignoriert wurden.
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Herr Bayaz, welches sind die zentralen Fragen, die Sie im parlamentarischen Untersuchungsausschuss geklärt sehen wollen?

Zunächst sind wir in Gesprächen mit der FDP und der Linksfraktion. Dem Ergebnis will ich nicht vorgreifen. Aber natürlich wird es darum gehen, wie ein DAX-Konzern unter den Augen unserer Aufsichtsbehörden in die Insolvenz geraten konnte, wie über Jahre mutmaßlich betrügerisches Handeln von Managern der Wirecard AG nicht entdeckt wurde und einen Schaden in Milliardenhöhe anrichten konnte.

Welche Erkenntnisse erwarten Sie sich über die Rolle des Bundesfinanzministeriums – aufsichtsrechtlich und im Hinblick auf Lobbying?

Das Bundesfinanzministerium muss aufklären, warum die spätestens seit 2015 öffentlich bekannten Vorwürfe gegen die Wirecard AG von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin nicht angemessen bewertet wurden und warum Minister Scholz den Wirecard-Skandal nicht früher zu Chefsache erklärt hat. Der Minister hat sich nach eigenen Angaben stets informieren lassen, aber zu keinem Zeitpunkt aktiv eingegriffen, nicht einmal als die ihm unterstellte BaFin Journalisten der Financial Times angezeigt hat.

Welche Erkenntnisse erwarten Sie sich über die Rolle des Kanzleramts, der Bundeskanzlerin und der Lobbyarbeit von Herrn Guttenberg?

Am Ende ist das Lobbyieren der Bundesregierung für die Wirecard AG im Ausland eine Blamage und peinlich für die Bundesrepublik. Natürlich wollen wir wissen, warum sämtliche Warnhinweise zur Seriosität des Unternehmens entweder ignoriert wurden oder niemals bei der Kanzlerin ankamen.

In welcher Richtung muss die Aufsicht abgeklopft werden?

Wir müssen herausfinden, ob das Zusammenspiel der Vielzahl beteiligter Behörden ein Grund dafür ist, dass Wirecard so lange unentdeckt seinen Manipulationen nachgehen konnte. Es zeichnet sich das Bild einer kollektiven Unverantwortlichkeit. Jede Behörde sieht bei sich kein Fehlverhalten oder keine Zuständigkeit. Hier brauchen wir einen umfassenden Überblick, um danach Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klar zu bestimmen. Es darf nicht wieder vorkommen, dass ein DAX-Konzern, der Zahlungsabwicklungen für Online-Glückspiele und andere kritische Bereiche anbietet, von keiner Stelle geldwäscherechtlich beaufsichtigt wird. Bei Wirecard war dies über Jahre der Fall.

Wie soll die Rolle der Wirtschaftsprüfer durchleuchtet werden?

Für die geschädigten Anlegerinnen und Anleger ist die Frage zentral, ob die Wirtschaftsprüfer von EY vorsätzlich Fehler bei der Prüfung der Wirecard-Abschlüsse gemacht haben. Wenn das der Fall wäre, würde die Haftungsgrenze von vier Millionen Euro für die Prüfgesellschaft nicht gelten. Damit hätten Anleger bessere Aussichten, Schadenersatzansprüche auch gegen EY geltend zu machen. Es geht dabei auch um Schadensersatzansprüche staatlicher oder teilstaatlicher Banken. Deswegen ist die Frage der Vorsätzlichkeit für mich wichtig.

Wie soll der U-Ausschuss im Hinblick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft positioniert sein?

Die Staatsanwaltschaften in der Bundesrepublik arbeiten unabhängig. Daran soll auch dieser Untersuchungsausschuss nichts ändern.

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