Nach dem Rücktritt von Bafin-Chef Felix Hufeld im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal steht der Nachfolger fest: Finanzminister Olaf Scholz (SPD) nominierte am Montag den Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, Mark Branson, zum neuen Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Er soll sein Amt Mitte des Jahres antreten. 

Branson ist seit 1. April 2014 Direktor der Finma, nachdem er am 1. Februar 2013 zum stellvertretenden Direktor ernannt worden war. Zuvor war er seit 1. Januar 2010 Leiter des Geschäftsbereichs Banken der Finma. In der Privatwirtschaft bekleidete Mark Branson vorher verschiedene leitende Funktionen bei der Credit Suisse, SBC Warburg und UBS.

Scholz nannte den 52-jährigen Branson, einen studierten Mathematiker, einen „erfahrenen, international hoch anerkannten Fachmann“. Mit ihm an der Spitze „wollen wir die Reform der Bafin fortsetzen, damit die Finanzaufsicht mehr Biss erhält“, kündigte Scholz an: „Das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland ist wichtig und die Bafin ist ein zentraler Vertrauensfaktor.“

Branson führte als Finma-Chef unter anderem den Vorsitz des nationalen Ausschusses für Finanzkrisen und ist Mitglied im Schweizer Beirat „Zukunft Finanzplatz“. Seit dem 1. November 2017 ist Mark Branson Vorsitzender der Resolution Steering Group (ReSG) des Finanzstabilitätsrats (FSB) und somit Mitglied dessen Steering Committees. Branson vertritt die Schweiz als Mitglied der Gruppe der Zentralbankpräsidenten und Leiter der Bankenaufsichtsbehörden (GHOS).

Als Leiter des Geschäftsbereichs Banken verantwortete Mark Branson die Bewilligung und Aufsicht über alle Schweizer Banken und Effektenhändler.

Vor seiner Tätigkeit für die FINMA arbeitete Mark Branson von 1997 bis 2009 bei der UBS. Zuletzt war er als CFO der Business Division Wealth Management and Swiss Bank in Zürich tätig und zuständig für Finanzen und Risikokontrolle. Davor war er als CEO der UBS Securities Japan Ltd. Länderchef in Japan.

Von 2001 bis 2005 zeichnete Mark Branson als gruppenweiter Kommunikationschef für sämtliche Kommunikations- und Branding-Aspekte verantwortlich. Zuvor hielt er verschiedene Positionen bei der UBS Group und bei der Credit Suisse Group in London.

Mark Branson studierte am Trinity College Cambridge Mathematik und Management Studies (M.A.). Zusätzlich erwarb er einen Master in Operational Research (M.Sc.) an der Universität Lancaster. Mark Branson ist Schweizer und britischer Staatsangehöriger.

Die Linke Fabio De Masi sagt zu der Personalie: „Mark Branson verfügt zweifelsfrei über internationale Erfahrung. Die Schweizer Aufsicht gilt jedoch nicht als besonders streng. Es ist kein Zufall, dass Facebook etwa mit seinem digitalen Geld eine Zulassung in der Schweiz begehrt. Branson sollte sich einer öffentlichen Befragung im Deutschen Bundestag stellen. Dies ist nach dem Wirecard Skandal das Minimum, das man von Chef der Finanzaufsicht erwarten muss.“

Lisa Paus von den Grünen sagt, Branson habe eine Mammutaufgabe vor sich: „Zentral ist, dass er schnell den Kulturwandel einleitet und mit frischem Wind von außen ordentlich durchlüftet. Dafür sollte er alle notwendigen Mittel und qualifiziertes Personal bekommen. Es kann nicht sein, dass die beaufsichtigten Institute das blockieren. Die Bafin muss jetzt zu einer digitalen, aktiven Aufsicht umgebaut werden. Dafür sollte auch die Unabhängigkeit und parlamentarische Verantwortlichkeit gestärkt werden. Das richtige Signal hier wäre, wenn er sich zeitnah dem Finanzausschuss vorstellen würde.“

Die Bafin war zuletzt im Bilanzbetrugsskandal um das frühere Dax-Unternehmen Wirecard heftig in die Kritik geraten. Der bisherige Chef Felix Hufeld musste seinen Posten räumen. Der Skandal um die Wirecard AG habe offenbart, dass die deutsche Finanzaufsicht eine Re-Organisation brauche, um ihre Aufsichtsfunktion effektiver erfüllen zu können, hatte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) gesagt. Die Bafin soll unter anderem mit Experten für Wirtschaftsprüfung und Bilanzanalyse verstärkt werden.

Weder der Finanzaufsicht noch den Wirtschaftsprüfern von EY war der mutmaßliche jahrelange Milliardenbetrug von Wirecard aufgefallen. Inzwischen hat der insolvente frühere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen.

Die Bafin ist auch ins Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Es handelt sich nach früheren Angaben vom Februar um eine Vorprüfung. Wirecard-Aktionäre hatten Strafanzeigen erstattet. Sie werfen der Behörde vor, sie habe ihre Aufsichtspflichten verletzt. Zum anderen geht es um die möglicherweise strafbare Verwendung von Insiderwissen. Hufeld und Vizechefin Elisabeth Roegele traten ab, nachdem der Verdacht aufgekommen war, ein Bafin-Mitarbeiter könnte dank Insiderwissen mit Wirecard-Papieren Geschäfte gemacht haben.