Der Milliarden-Betrug bei Wirecard könnte für die Wirtschaftsprüfer von EY teuer werden: Der Berliner Anwalt Marc Liebscher, der gemeinsam mit Kollegen einer anderen Kanzlei 700 Kläger gegen EY vertritt, sagte der Berliner Zeitung: „Ich sehe gute Aussichten für Investoren, Schadensersatzklagen gegen EY auf eigene Kosten zu gewinnen.“ Liebscher: „Ausgehend vom KPMG-Bericht, eigenen Recherchen mit WP- und EY-Insidern, den Ergebnissen des Untersuchungsausschusses, der APAS-Anzeige und des Wambach-Berichts ergeben sich zahlreiche bewiesene Tatsachen dafür, dass EY bei der Prüfung von Wirecard die Investoren vorsätzlich sittenwidrig geschädigt hat (§ 826 BGB). Dies, indem EY Angaben von Wirecard ungeprüft und ins Blaue hinein übernommen und testiert hat, obwohl EY wusste, dass diese Angaben erheblich und mit einer hohen Fehlerwahrscheinlichkeit belastet sind.“

Obwohl die Haftung von Abschlussprüfern im Klagewege normalerweise schwierig durchzusetzen sei, seien die Aussichten für Klagen gegen EY „hier ungewöhnlich gut, denn es liegen durch die Aufklärungsarbeit von zahlreichen Gremien und Sachverständigen zahllose Beweise gegen EY auf dem Tisch“. Der gesamte Schaden des Wirecard-Betrugs soll sich auf bis zu 20 Milliarden Euro belaufen. EY muss sich auf Milliarden-Forderungen einstellen: „Wir rechnen mit insgesamt gegen EY von allen Investoren klageweise geltend gemachten Forderungen von bis zu drei Milliarden Euro. Die absolute Schadenssumme ist zwar höher, aber nach unserer über 20jährigen Erfahrung klagen nur maximal zehn Prozent aller Investoren. Hinzu kommt, dass viele Großinvestoren wie Softbank, Deutsche Bank, Commerzbank eigene Reputationsrisiken wegen Wirecard haben und deswegen keine große Motivation für öffentliche Gerichtsprozesse haben.“

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