Die Bundesregierung hat offenbar versucht, den Wirecard-Konzern vor dessen Insolvenz zu retten. Das berichtet der Spiegel und schreibt, die Bundesregierung habe die Insolvenz und das Ausschlachten von Wirecard durch ausländische Finanzfirmen verhindern und neue Kredite vergeben wollen. Dies hätte per Anweisung an die staatliche Ipex-Bank geschehen sollen. Die Bank gehört zur KfW. „Herr Kukies will mit uns wohl diskutieren, ob wir nicht nur stillhalten können, sondern ggf. unser Engagement noch aufstocken würden“, habe der Chef der Ipex, Klaus Michalak Michalak der KfW-Spitze, darunter deren Chef Günther Bräuning, per Email mitgeteilt.

Die Ipex lehnte ein Engagement schließlich ab - wegen des zu hohen Risikos. Warum gerettet werden sollte ist unklar. Noch im Jahr 2019 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Wirecard in China als deutschen Champion gepriesen. Zuvor hatte die Aufsicht Bafin mehrfach Hinweis auf problematische Praktiken ignoriert. Warum das Bundesfinanzministerium eine derart große Nähe zu Wirecard hatte ist noch unklar.

Florian Toncar hält den Vorgang für ausgesprochen problematisch. Der FDP-Abgeordnete sagte dieser Zeitung:  „Das Bundesfinanzministerium ließ die teilstaatliche Commerzbank Rettungspläne für Wirecard schreiben und hat offenbar versucht, bei der staatlichen Ipex-Bank um zusätzliche Kredite für das insolvente Unternehmen zu werben. Selbst der Einsatz von Steuergeld wurde diskutiert, nämlich eine Finanzspritze aus dem staatlichen Corona-Hilfsfonds WSF, um den angeblichen Digital-Champion aus Aschheim vor der Zerschlagung zu retten. Dahinter steckt eine eine vollkommen realitätsferne Einschätzung des Unternehmens Wirecard, buchstäblich bis zu dessen letztem Atemzug. Es wird Zeit, dass Staatssekretär Kukies umfassend über seine Kontakte zu Markus Braun und anderen Wirecard-Managern aufklärt, denn irgendwoher muss die völlig verklärte Sicht des Staatssekretärs auf Wirecard ja hergekommen sein. Für Olaf Scholz ist der Vorgang eine abermalige Peinlichkeit: in seinem Verantwortungsbereich ging es drunter und drüber und bis heute hat er es nicht geschafft, die Dinge zu sortieren und die Öffentlichkeit vollständig zu informieren.“

Lichts ins Dunkel können auch die Wirtschaftsprüfer von EY, die diese Woche im Ausschuss aussagen werden. Nach dem der Berliner Zeitung vorliegenden Prüfbericht für das Jahr 2018 hatte EY die Bafin ebenfalls gewarnt: Konkret ging es um dubiose Kreditvergaben bei der Wirecard Bank.

Fabio De Masi, kommentiert die bevorstehenden Sitzungen des Ausschusses: „Der Wirecard-Skandal gründet nicht auf der kriminellen Energie eines Einzeltäters. Das war eine Bande mit einem Netzwerk in die Politik und womöglich Sicherheitskreise. Wir erwarten vollumfängliche Aussagebereitschaft bei Wirecard Vorständen wie Herrn von Erffa und dem ehemaligen Aufsichtsratschef Eichelmann. Von Erffa hat dem Ausschuss im letzten Jahr im Anschluss an die Vernehmung von Markus Braun seine umfassende Aussagebereitschaft zugesichert, nachdem er sich bei der Staatsanwaltschaft entlastet habe. Herr Eichelmann hat sich noch Mitte Juni umfänglich mit BaFin-Präsident Hufeld zum Inhaberkontrollverfahren ausgetauscht. Von Sandra S., der ehemaligen Assistentin von Braun, erhoffen wir uns neue Details über die Rolle Brauns, der keine Aussagebereitschaft zeigte. S. ist selbst nicht Beschuldigte und muss daher dem Ausschuss umfangreich Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus gilt es aufzuhellen, ob die ehemalige Analystin der Commerzbank Heike Pauls für ihre aggressive PR-Arbeit für Wirecard Vorteile entgegengenommen hat.“

De Masi weiter: „Bei der Befragung von EY wird es darum gehen, die Motive für die Testate der Jahresabschlüsse von Wirecard aufzuklären. Wir haben als Ausschuss ein Stück Rechtsgeschichte geschrieben, weil nun eindeutig vom Bundesgerichtshof geklärt wurde, dass sich die Wirtschaftsprüfer von EY nicht dahinter verstecken können, dass sie nur der Insolvenzverwalter, nicht aber auch der flüchtige Wirecard Vorstand Jan Marsalek, von der Verschwiegenheit entbunden habe. Es wird auch darum gehen, ob der nun versetze Chef von EY in Deutschland, Hubert Barth, von den Geschäften von Marsalek in Libyen wusste und sich mit Marsalek darüber ausgetauscht hat!“