Der Auftritt des früheren bayrischen Polizeipräsidenten, Waldemar Kindler, hat im Wirecard-Untersuchungsausschuss für Kopfschütteln gesorgt. Kindler hatte nur scheibchenweise eingeräumt, wie stark er Lobby-Arbeit für das Skandal-Unternehmen Wirecard betrieben hatte. Seine Tätigkeit reichte von bayrischen Landesbehörden zur Beschaffung eines Waffenscheins für den Fahrer von Markus Braun bis zu Gesprächen in chinesischen Konsulaten und Amtsträgern aus dem angelsächsischen Raum. Der Linke-Abgeordnete Fabio De Masi sagte dieser Zeitung: „Es ist eine Ohrfeige für jeden Polizisten wenn der ehemalige Landespolizeipräsident Klinken für den kriminellen Clan von Wirecard putzt. Lügen haben kurze Beine.“

Auf die Frage, ob der Ausschuss sich mit der unbefriedigenden Mitwirkung abfinden muss. De Masi sagte: „Der Untersuchungsausschuss kann immer bis zum Abschluss der Untersuchung nachlegen. Wir können sogar Herrn Guttenberg und Herrn Kindler ins Kreuzverhör nehmen.“

Auch der bayrische Staatsminister Joachim Herrmann wollte nicht sehr dynamisch zur Aufklärung beitragen. Auf die Frage von De Masi, ob sich die bayrischen Behörden mit der Frage beschäftigt hätten, dass angeblich Mitarbeiter des österreichischen Inlandsgeheimdiensts BVT als Fluchthelfer für Jan Marsalek auf bayrischem Territorium agierten, sagte Herrmann mehrfach, dass er es das nicht wisse. Herrmann erging sich in allgemeinen Betrachtungen über die schwierige Zusammenarbeit mit dem BVT seit der FPÖ-Zeiten. Zu Berichten, dass die Österreicher auf bayrischem Territorium die Flucht des mit internationalem Haftbefehl gesuchten Wirecard-Managers Marsalek, wich Herrmann De Masi aus. De Masi sagte: „Ich würde mich als Innenminister sehr für einen solchen Vorfall interessieren.“