In einem Interview mit FinanzBusiness im Dezember 2020 nahm Jana Hecker den Namen Wirecard nicht in den Mund. Der Frage, ob der Milliarden-Betrug dem Finanzplatz Deutschland bei Börsengängen geschadet habe, wich die globale Leiterin Equity Capital Markets der UniCredit aus. Die Bankerin, die zuvor bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank gewirkt hatte, ist offenbar eine der großen Verliererinnen der Wirecard-Pleite.

Sie war im Jahr 2020 vom damaligen Wirecard-Chef und Milliardär Markus Braun angeheuert worden, um ihm aus der Patsche zu helfen: Nachdem die Deutsche Bank einen Kredit fällig gestellt hatte und Braun nur vorübergehend mit einem unbesicherten Kredit der Wirecard-Bank den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte, wandte er sich an Hecker: Sie sollte ihm helfen, neue Kredite aufzutreiben, um den Wirecard-Kredit zu bedienen.  

Hecker arbeitete Tag und Nacht: Insgesamt listete sie 156,5 Stunden von März bis Mai 2020 auf, in denen sie die Rettung von Brauns persönlichem Family Office, der MB Beteiligungsgesellschaft mbH in München bewerkstelligte. Sie konnte die Oldenburger Landesbank und einen Investmentfonds des Rocket-Internet-Gründers Oliver Samwer überzeugen, Markus Braun Kredite zu gewähren.

Die Lage war durchaus kritisch für Braun: Er musste 35 Millionen Euro auftreiben, weil die Wirecard Bank ihm die kurzfristige Überbrückung mit 12,55 Prozent per anno verzinst hatte. Doch obwohl Hecker der Familie von Markus Braun anbot, die Bezahlung ihrer Arbeit zu stunden, blieb sie laut Financial Times mit leeren Händen zurück. Sie soll „keinen einzigen Cent“ erhalten haben, obwohl Brauns Schwester Marlies dem Bruder vorgeschlagen hatte, die Bankerin mit 790.000 Euro zu entlohnen.  

Allerdings hätte ihr auch ihr eigener Alternativvorschlag wenig Freude gemacht: Als Hecker merkte, dass Braun knapp bei Kasse war, schlug sie vor, ihre Arbeit mit zukünftigen Wirecard-Aktiengewinnen zu honorieren. Wenige Wochen nach diesem Vorschlag der UniCredit-Managerin war Wirecard pleite und ihr Auftraggeber Markus Braun wanderte wegen des Milliarden-Betrugs ins Gefängnis.

Update 25.2., 13 Uhr: Die UniCredit bestätigt der Berliner Zeitung, dass Jana Hecker die Bank kurzfristig verlassen habe.