Im Wirecard-Ausschuss sind die Abgeordneten des Bundestags gespannt: Erscheint Elisabeth Roegele am Freitag als Zeugin, oder meldet sich die frühere Spitzenkraft der Börsenaufsicht Bafin krank? Entsprechende Gerüchte waberten in den Tagen vor ihrem Auftritt durch Berlin. Der Grund, warum manch einer annimmt, Roegele könnte eine Aussage unangenehm sein: Die Juristin ist eine Schlüsselfigur bei der Frage, warum die Aufsicht im Falle Wirecard so massiv versagt hat.

Roegele, die unter anderem für die Börse Stuttgart und die DekaBank gearbeitet hat, war bis 2006 bei der Bafin. 2015 kehrte sie zurück. In ihren Bereich als Exekutivdirektorin der Wertpapieraufsicht fiel auch die Kontrolle von Wirecard. 2019 verhängte die Bafin ein Shortselling-Verbot für Wirecard-Aktien. Diese Maßnahme war, neben den uneingeschränkten Testaten von EY, für die Anleger ein extrem beruhigendes Signal: Die Bafin schlug sich damit auf die Seite der Wirecard-Manipulatoren und stellte die Kritiker bloß. Die Anleger wogen sich in Sicherheit, kauften wie verrückten – und verloren am Ende alles.

Allerdings hätte es die Bafin besser wissen müssen: Bereits von 2006 bis 2010 gab es massive Vorwürfe gegen Wirecard – wegen Geldwäsche. Die Kreditkartenfirma Mastercard verhängte eine Millionenstrafe gegen Wirecard, weil das Unternehmen Zahlungen umetikettiert hatte. Aus in den USA verbotenen Glücksspielzahlungen hatten Wirecard Blumenkäufe gemacht. Gut dokumentierte Hinweise von Anlegern aus Bayern gingen bei der Bafin ein – doch die Aufsicht unternahm nichts.

Neun Jahre war es unter Roegele noch schlimmer: Die Bafin wandte sich gegen die Wirecard-Kritiker, die Staatsanwaltschaft München ermittelte nicht gegen die Kriminellen aus Aschheim, sondern gegen die Financial Times. Ein aktueller Prozess in New York könnte der Aufklärung der Wirecard-Machenschaften neue Dynamik verleihen. In dem Prozess, in den auch Wirecard-Mitarbeiter verwickelt wird, geht es um das Geschäftsmodell der Geldwäsche - ein Thema, das auch im Untersuchungsausschuss im Hinblick auf Wirecard aufgekommen ist. 

Nach der Insolvenz musste Roegele gemeinsam mit Bafin-Chef Felix Hufeld gehen. Sie soll an der Aufarbeitung des Skandals mitwirken. Operativ will die Bafin künftig alles besser machen: Am Mittwoch präsentierte sich Mark Branson als neuer Bafin-Chef dem Bundestag. 

Florian Toncar von der FDP zeigte sich vom Auftritt des schweizerisch-britischen Bankers angetan. Er sagte dieser Zeitung: „Mark Branson verbindet internationales Profil mit Schweizer Pragmatismus, er strahlt hohe Motivation aus. Wenn er diese Eigenschaften in die Bafin einbringt, kann das sehr vielversprechend werden. Olaf Scholz hätte gut daran getan, diesen Neuanfang schon im letzten Sommer durchzusetzen, statt die Sache monatelang zu verschleppen und den Schaden für die Bafin zu vergrößern.“

Wichtig sei jetzt, „dass Mark Branson das richtige Team um sich herum bekommt. Er darf nicht eingemauert werden durch ein Direktorium und einen Verwaltungsrat, in dem vor allem Vertreter des Status Quo das Wort führen“. Da müssten „weitere personelle Veränderungen folgen“.