Im Wirecard-Skandal führt offenbar eine Spur zu dem früheren Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer. Der CDU-Politiker und einstige Kohl-Vertraute traf den Wirecard-Manager Jan Marsalek. Wirecard scheint ein besonderes Interesse an dem Linken-Politiker Fabio De Masi gehabt zu haben. Schmidbauer will damit nichts zu tun gehabt haben und sagte der Welt, er habe De Masi „nicht ausspioniert“. Schmidbauer bestritt, dass er sich auf Bitte von Marsalek über das österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) mit dem Lebenslauf von De Masi beschäftigt habe. Zu einer möglichen Ladung vor den Ausschuss sagte der frühere Geheimdienstkoordinator: „Ich komme sehr gern. Wenn aber alle Personen als Zeugen geladen werden würden, mit denen Marsalek Kontakt hatte, dann müssten ganze Armeen mit ihren Generälen in Berlin vor dem Ausschuss erscheinen.“ Zur Kritik von De Masi an dem Versuch, ihn auszuspionieren, sagte Schmidbauer, dies sei eine PR-Aktion des Abgeordneten. 

Allerdings legen die Akten nahe, dass das BVT sehr wohl hinter De Masi her war. Im Original-Chat der Ex-BVT Agenten Martin W. und Egisto O. hatte W. von O. gefordert, den Lebenslauf De Masis an Schmidbauer zu schicken, worauf dieser entgegnet haben soll: „Ist schon passiert.“  De Masi sagte dieser Zeitung: „Ich habe bis heute keine Antwort auf meine Aufforderung an den österreichischen Innenminister bekommen, die Vorgänge umfassend aufzuklären. Die Bundesregierung behauptet, über keine Erkenntnisse zu den Vorgängen um Martin W. und Egisto O. zu verfügen und sich auch nicht um solche Erkenntnisse zu bemühen! Das ist an sich schon ein Skandal!“

De Masi: „Ich frage mich daher: wenn sich W. nur über mich aufregt, warum fordert er dann seinen Verbindungsmann im BVT, der die Polizeidatenbank für ihn anzapft, auf, den Lebenslauf eines deutschen Politikers an den ehemaligen deutschen Geheimdienstkoordinator zu schicken, worauf dieser Verbindungsmann sinngemäß entgegnet ,ist schon passiert‘?! War das eingeübte Routine? Warum macht W. das nicht selbst? Wenn es überdies stimmt, dass die BVT-Beamten korrupte Einzeltäter waren, die ihre früheren Verbindungen ausnutzten, würde es womöglich auch passen, über den Ex-Geheimdienstkoordinator Schmidbauer zu gehen, um deutsche Dienste inoffiziell abzufragen. Dass die Vorwürfe gegen W. haltlos seien, ist aufschlussreich. Martin W. soll die Fluchthilfe nämlich bereits gestanden haben. Insofern sind Schmidbauers Aussagen vor allem eins: Entlarvend!“

Schmidtbauer sagte der Welt, er habe sich für Marsalek interessiert, weil dieser „gegenüber Börsenhändlern in London die streng geheime Formel eines binären Kampfstoffes erwähnt haben soll“. Es soll sich um einen „hochgefährlichen Kampfstoff“ gehandelt haben, der in der Sowjetunion entwickelt worden sei. Marsalek soll angeblich Unterlagen besessen haben. Schmidbauer habe sich für den Kampfstoff interessiert, weil nach Aussage eines britischen Militärlabors zur selben Zeit der britisch-russische Doppelagent Sergej Skripal in London mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurde. Schmidbauer sagte, Marsalek könnte in den Besitz der Formel zur Herstellung von Nowitschok gelangt sein. Woher er die Formel habe, wisse er nicht. Schmidbauer sagte: „Der Verdacht, dass diese Information wie auf dem Jahrmarkt preisgegeben wurde, hat mich sehr betroffen gemacht.“

Schmidbauer: „Es ist jedenfalls ein Skandal, dass diese Papiere wie auf dem Basar gehandelt werden. Dieser binäre Kampfstoff ist hochgefährlich, wie mehrere Anschläge gezeigt haben. Nicht alle wurden aber mit Nowitschok durchgeführt. Es gibt viele Vermutungen und Spekulationen. Aufgeklärt ist nicht alles.“

Schmidbauer sagte, er glaube, dass Marsalek sich heute in Russland versteckt.