Fabio De Masi streicht bedächtig mit drei Fingern durch seinen Bart. Er hält den Kopf nach vorne geneigt, blickt den Zeugen von unten her an, irgendwie treuherzig, aber doch bedrohlich, spricht in sanftem Tonfall und doch messerscharf. Er könnte Beichtvater sein oder Staatsanwalt. Fabio De Masi trägt keine Kutte, keine Robe, sondern eine modische braune Jacke. Sein Gegenüber beginnt zu stottern. De Masi verzieht keine Miene. Er schiebt eine sarkastische Frage nach. Lachen im Publikum. De Masi tippt auf seinem Handy herum. Während der Zeuge noch stammelt, schickt Fabio De Masi schon über Twitter eine Nachricht von dem Verhör an die Außenwelt, heftet ein Dokument an, weil der Zeuge gelogen hat. Später sagt De Masi zu einem Aufsichtsratsvorsitzenden, der ihm mit der Floskel „Wenn ich da einhaken darf …“ ins Wort fallen will: „Nein, Sie dürfen nichts sagen. Ich habe meine Frage noch nicht gestellt. Da bin ich streng.“

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi will gemeinsam mit seinen Kollegen Florian Toncar von der FDP und Danyal Bayaz von den Grünen im Wirecard- Untersuchungsausschuss die Verstrickungen der Politik aufdecken. Das ist harte Arbeit: Zehntausende Seiten aus Akten, Dokumenten, Emails. Nächtelange Sitzungen. Details, Lügen, Irreführungen. Dann wieder ein Körnchen Wahrheit, eine neue Spur. De Masi geht es um mehr als nur den möglichen Sturz eines Ministers. „Jeder Finanzskandal ist ein Fenster seiner Zeit“, sagt der deutsch-italienische Politiker. „Bei Lehman Brothers war es die Banken- und Immobilienkrise, bei Wirecard das Internet.“

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