Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat im Wirecard-Untersuchungsausschuss erklärt, warum das von ihr und zuvor unter anderem von Heiko Maas geleitete Ministerium bei dem größten Wirtschaftsskandal Deutschlands nicht habe tätig werden können. Das Ministerium übe bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) weder eine Rechtsaufsicht noch eine Fachaufsicht aus, sagte die Ministerin am Mittwoch. Das Ressort habe kein Weisungs- und Informationsrecht. Die DPR sei vom Gesetzgeber bewusst unabhängig angelegt gewesen, was der deutschen Regelung in Europa viel Lob eingebracht habe. So habe die europäische Aufsicht ESMA festgestellt, dass die unabhängige Stellung der DPR vorbildlich für eine gute Regulierung sei. 

Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag Bilanzen. Die Finanzaufsicht Bafin hatte der auch als Bilanzpolizei bezeichneten Prüfstelle im Februar 2019 den Hinweis auf Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gegeben. Daraufhin veranlasste die DPR eine Prüfung. Inzwischen hat die Bundesregierung den Vertrag mit der DPR zu Ende 2021 gekündigt.

Das Problem der DPR im Falle Wirecards liegt vor allem im dem Umstand begründet, dass die DPR in ihrer Prüfung weder auf ermittlungstechnische noch auf forensische Methoden zurückgreifen könne. Die DPR führt ihre Recherchen in der Form von Befragungen der untersuchten Unternehmen durch. Solange die Unternehmen, wie im Fall Wirecards durch den Leiter der Buchhaltung von Erffa, die gestellten Fragen beantworten, kann die DRP die Untersuchung nicht an die Bafin zurückverweisen. Grundlage der DPR-Prüfung waren die von EY uneingeschränkt testierten Jahresabschlüsse der Wirecard AG. 

Der Chef der DPR, Edgar Ernst, stellte im Zuge des Wirecard-Skandals seinen Posten zur Verfügung, nachdem die CDU ihn wegen eines umstrittenen Aufsichtsratsmandats unter Beschuss genommen hatte.