Die Bayrische Landesbank hat sich 2018 von der Kreditvergabe an die Wirecard AG verabschiedet, weil „der Komfortlevel nicht so hoch“ gewesen sei, um die Bank weiter zu finanzieren. Das sagte der Risikoverstand der Landesbank Bayern, Marcus Kramer, am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Die Bank habe das Geschäftsmodell von Wirecard nicht ausreichend verstanden, um einem Konsortialkredit mit 150 Millionen Euro beizutreten. Kramer sagte: „Wir haben das Geschäftsmodell und einige andere Dinge nicht so zufriedenstellend verstanden, dass wir darauf eine hohen siebenstelligen Kredit vergeben könnten.“

Probleme hatte die LB Bayern unter anderem mit der undurchsichtigen Bilanzstruktur, einer mangelhaften Dokumentation und dem Wunsch von Wirecard, den Kredit ohne jegliche Einschränkung verwenden zu können. Dies ist insofern erstaunlich, als der Wirecard schon im Jahr 2016 gewährte Kredit eine sehr weite Verfügungsbreite enthielt. Außerdem sei der Wirecard-Kredit wirtschaftlich „nicht attraktiv“ gewesen. Kramer sagte, dass die negative Berichterstattung über Wirecard keine Rolle bei der Ablehnung des Kredits gespielt habe.

Man habe zu keinem Zeitpunkt geglaubt, dass das Unternehmen in kriminelle Machenschaften verwickelt sei. Die Betrachtung der Bilanzstruktur und die Unklarheiten des Geschäftsmodells hätten ausgereicht, um zu einer negativen Beurteilung hinsichtlich eines Kredits zu gelangen. Kramer sagte zu den Unklarheiten des Geschäftsmodells: „Was wir nie richtig verstanden haben: Wirecard nahm viel höhere Margen als üblich – dann müssten man irgendwo Risiko-Kosten abbilden.“ Dies sei nicht geschehen. Auf eine entsprechende Nachfrage „wurde uns erklärt, das sei state of the art“ sei.

Laut Kramer hätten die Abschreibungszeiträume für zugekaufte Kundenstämme 25 Jahre betragen oder gar nicht abgeschrieben werden. Kramer: „Das ist ökonomisch schwer verständlich.“ Kramer sagte, das sich die Bayrische Landesbank vollstes Vertrauen in das Testat der Wirtschaftsprüfer von EY gehabt habe: „Wenn uns ein testierter Jahresabschluss vorliegt, haben wir keinen Grund daran zu zweifeln.“

Die LB Bayern hatte Wirecard 2016 zusammen mit anderen Banken einen Kredit gewährt. Als der Kredit 2018 aufgestockt werden sollte, habe die LB Bayern ein zu hohes Risiko gesehen und nicht mehr mitgemacht. Es habe aber keine Zweifel etwa am Eigenkapital von Wirecard gegeben. „Wir haben nicht daran gezweifelt, dass das werthaltig ist.“ Der Wirecard-Ausschuss hörte am Donnerstag außerdem noch Vertreter der Commerzbank, der Deutschen Bank und der LBBW. (mit dpa)