Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss hat zu Wirecard einen Sonderermittler eingesetzt: Martin Wambach von der Wirtschaftsprüferkanzlei Rödl und Partner hat die Arbeit des langjährigen Wirtschaftsprüfers von Wirecard, Ernst & Young (EY) untersucht. Der Bericht befindet sich im Stadium der Fertigstellung und könnte nach Informationen der Berliner Zeitung EY durchaus einiges Kopfzerbrechen bereiten. So sollen alljährlich zum Jahresende Zahlungsströme bilanziert worden sein, die deutlich von den unterjährigen Zahlungsströmen abweichen. Dies soll seit 2014 regelmäßig geschehen sein und hätte, so ein mit der Sache Vertrauter, normalerweise bei Wirtschaftsprüfern zu Handlungen führen müssen, um diese Praxis zu beenden.

Der Untersuchungsausschuss will den Wambach-Bericht veröffentlichen – und zwar komplett, mit allen Anlagen. Die Anwälte von EY verhandeln derzeit mit dem Untersuchungsausschuss. Sie wollen vor allem die Veröffentlichung der Anlagen verhindern und führen Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und Geschäftsgeheimnisse als Grund für die Geheimhaltung an. EY lehnte eine Stellungnahme ab, bestätigte aber, dass die Anwälte sich im Gespräch mit dem Ausschuss befänden. Der Vorsitzender des Ausschusses, Kay Gottschalk, wollte sich zu Details nicht äußern. Er sagte dieser Zeitung: „Die Verhandlungen gestalten sich als schwierig. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir eine Lösung mit EY finden. Alles andere wäre eine Abkehr vom bisher eingeschlagenen Weg der Kooperation.“ Die Abgeordneten sind der Auffassung, dass EY im Fall des Wambach-Berichts volle Kooperation zeigen müsse.

Cansel Kiziltepe von der SPD sagte dieser Zeitung: „Der Untersuchungsausschuss ist der Öffentlichkeit verpflichtet, nicht gegenüber EY. Wenn EY nichts falsch gemacht haben will, wie sie immer behaupten, dann gäbe es doch keine Bedenken gegen eine Veröffentlichung des Berichts. Außer die fehlerhafte Bilanzierung gehört zum Geschäftsgeheimnis von EY.“

Sollten die EY-Anwälte nicht einlenken und die Geheimhaltung von wesentlichen Teilen des Wambach-Berichts verlangen, könnte der Ausschuss auch wegen des Berichts vor den BGH ziehen. Schon bei der Aufhebung der Verschwiegenheitspflicht hatte der Ausschuss den BGH angerufen, welcher daraufhin entschied, dass die Wirtschaftsprüfer von EY vor dem Ausschuss aussagen müssten. Allerdings konnte insbesondere der Auftritt des scheidenden Deutschland-Vorsitzenden Barth die Abgeordneten nicht überzeugen. Barth sagte im Wesentlichen, dass er zu hoch in der Hierarchie von EY angesiedelt sei, um über Details Auskunft geben zu können – eine Position, die die Abgeordneten als gänzlich unpassend empfanden.