In einer Sitzung des Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard-Skandal hat am Freitag ein Tweet des russischen Außenministeriums für Aufhorchen gesorgt. Dabei geht es um den Verbleib des früheren Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Er war zuletzt aus Bayern nach Österreich geflohen, wo er vom kleinen Flughafen in Bad Vöslau nach Minsk geflogen sein soll. Sein aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt. US-Strafverfolgungsbehörden vermuten, dass sich Marsalek in Russland aufhalten dürfte. 

Diese Einschätzung erhielt neue Nahrung durch einen Tweet am Freitag: Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, schrieb, die Untersuchung der Insolvenz von Wirecard im Jahr 2020 in Deutschland gehe weiter: «Die Spekulationen über die angeblich engen Beziehungen des Geschäftsführers J. Marsalek zu den Sonderdiensten von Russland sorgen für Verwirrung. Wir warnen Deutschland davor, diese Geschichte zu politisieren.»

Der SPD-Obmann im Untersuchungsausschuss, Jens Zimmermann, las den Tweet im Ausschuss vor. Worauf genau sich das russische Außenministerium bezog, ist unklar.

Am Freitagmorgen war ein Vertreter des Kanzleramtes in einer nicht-öffentlichen Sitzung dazu befragt worden, ob das Kanzleramt wisse, wo Marsalek sei.

SPD-Obmann Zimmerman sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die heutige Stellungnahme des russischen Außenministeriums platzt wie eine Bombe in die Beratungen des Wirecard-Untersuchungsausschusses.» Verbindungen von Jan Marsalek nach Russland stünden schon lange im Raum, ebenso wie Spekulationen über seinen Aufenthaltsort, sagte Zimmermann. «Warum sich die russische Regierung jetzt zu diesem Schritt genötigt sieht, wirft neue Fragen auf. Statt einer klaren Absage an mögliche Verbindungen, soll der Bundestag offenbar bei seiner Aufklärung eingeschüchtert werden.»

Der Unions-Obmann im Untersuchungsausschuss, Matthias Hauer, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wir lassen uns von einem russischen Regierungstweet mit Sicherheit nicht beeindrucken. Ich nehme an, die anderen Fraktionen sehen das genauso.»