Der im Auftrag des Wirecard-Untersuchungsausschuss erstellte Sonderbericht zur Arbeit der Wirtschaftsprüfer von EY beim mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister liegt vor. Martin Wambach, Partner bei Rödl und Partner, hat die Arbeit von EY analysiert. Der Bericht kommt zu dem Fazit, dass insbesondere das Drittpartner-Geschäft (TPA) von Wirecard beim Wirtschaftsprüfer hätte alle Alarmglocken bei EY auslösen und „weitere Überprüfungen“ nach sich ziehen müssen. Vor allem kritisiert Wambach, dass EY keinen Anstoß daran genommen habe, dass das TPA-Geschäft in der Praxis „substantiell“ von den vertraglichen Vereinbarungen abgewichen sei. Offenbar hätte EY Verdacht schöpfen können, dass es sich um Geldwäsche-Aktivitäten und Betrug handelt. Denn das Geschäft habe entgegen den Angaben von Wirecard niemals Verluste gemacht. EY hätte erkennen können und untersuchen müssen, dass es eine Naheverhältnis zwischen den Drittpartnern und Wirecard gab. Bereits zu Beginn der Untersuchungen hatte sich gezeigt, dass bestimmte Buchungspraktiken EY verdächtig hätten erscheinen müssen. 

Nach Ansicht der Bundestagsabgeordneten, die den Bericht gelesen haben, stellt der Experte EY kein gutes Zeugnis aus. Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe sagte der Berliner Zeitung: „Der Wambach-Bericht ist ein vernichtendes Urteil für EY. Trotz des sachlichen Tones ist der Bericht in der Sache mehr als deutlich. EY war über das TPA Geschäft im Bilde, eine kritische Grundhaltung fehlte, banalste Rechnungslegungs- sowie Qualitätsstandards wurden vernachlässigt und Warnsignale wurden geflissentlich übersehen. Es erinnert unweigerlich an den KPMG Bericht, der bekanntlich das Ende von Wirecard eingeleitet hat.“

Der FDP-Abgeordnete Florian Toncar sagte dieser Zeitung: „Wambach bestätigt den Eindruck der bisherigen Befragungen und der Auswertung der Akten, dass es bei der Prüfung von Wirecard enorme Unzulänglichkeiten gegeben hat. Nichts, was in dem Bericht steht, hat mich wirklich überrascht.“ Der Bericht sei wichtig für die Öffentlichkeit, „von daher sollte er auch zügig veröffentlicht werden“. Wambach sollte allerdings noch mehr Zeit bekommen, seine Arbeit abzuschließen. Toncar: „Es spricht nichts dagegen, dass der Ausschuss das Thema EY bei seinem Bericht im Juni zunächst ausklammert und diesen Teil erst im Spätsommer abschließt.“

Der CDU-Abgeordnete Matthias Hauer sagte der FT, EY trage „eine signifikante Verantwortung dafür, dass der Skandal nicht früher entdeckt wurde“. Jens Zimmermann von der SPD sagte, der Inhalt des Berichts ein sehr technisch, doch das Urteil „vernichtend“. Fabio De Masi von der Linken sagte, er habe den Eindruck, dass EY nicht nur ein „tiefes Verständig der TPA-Geschäft gehabt“ habe, sondern sogar  das „Mastermind“ für diese Geschäft gewesen sein könnte. Es stelle sich ihm die Frage, EY gar nichts aufdecken habe wollen.

EY sagte zu den Berichten über den Wambach-Bericht: „EY Deutschland hat keine Kopie des Berichts von Rödl & Partner erhalten und kann sich daher nicht zu dessen Inhalt äußern. Die kollusiven Betrugshandlungen bei Wirecard basierten auf einem komplexen kriminellen Netzwerk, das darauf angelegt war, zahlreiche Akteure zu täuschen – darunter Investoren, Banken, Aufsichtsbehörden, Aufsichtsrat, Wirtschaftsprüfer einschließlich uns sowie auf Forensik spezialisierte Experten und Rechtsanwälte. EY hat die Untersuchungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) von Beginn an unterstützt und wird dies weiterhin tun. Zudem haben wir die Entscheidung des PUA begrüßt, in Fragen der Abschlussprüfung erfahrene Experten bei der Auswertung der übermittelten Unterlagen hinzuzuziehen. EY hat vollumfänglich mit den Ermittlungsbeauftragten kooperiert. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand haben die Mitarbeiter von EY die Prüfungshandlungen professionell und nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt.“