Wie eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Cansel Kiziltepe bei der Bundesregierung ergab, fehlt eine Organisationsstruktur, die auf mögliche Fehlverhalten und Interessenskonflikte abgestellt ist.  Besonders sichtbar wurde dieses Problem im Zuge des Wirecard-Skandals: So spekulierte selbst der Chef der Aufsicht mit Wirecard-Aktien. Die Anfrage, die der Berliner Zeitung vorliegt, zeigt: Die Mitarbeiter der APAS können im Grunde selbst bestimmen, ob ein Interessenskonflikt – etwa durch einen zu hohen Aktienbesitz – vorliegt oder nicht. Systematisch überprüft werden die Angaben nicht. Darüber hinaus unterliegen die Mitarbeiter einer sehr weitreichenden Verschwiegenheitspflicht. Sie können sich im Grund immer auf diese Pflicht berufen, weil es keine entsprechende Instanz für die Compliance gibt.

Cansel Kiziltepe sagte der Berliner Zeitung: „Kein Wunder, dass der APAS-Chef bedenkenlos mit Wirecard-Aktien zockte. Der Chefaufseher der Wirtschaftsprüfer ist alleine für seine eigene Compliance verantwortlich. Hinter der Verschwiegenheitsmantra konnte er schalten und walten wie er wollte. Die APAS muss dringendst neu aufgestellt werden und der antiquierte Geheimnisschleier muss verschwinden. Peter Altmaier kann sich hier nicht weiter vor der Verantwortung drücken und nur mit dem Finger auf andere zeigen. Wir brauchen eine moderne und transparente Aufsicht über die Wirtschaftsprüfer.“

Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter der Aufsicht noch mit den vier großen Wirtschaftsprüfern wirtschaftlich verflochten sind, etwa durch weiterlaufenden Altersvorsorge. Die Mitarbeiter hatten zuvor bei einer der großen Wirtschaftsprüfer gearbeitet und beziehen weiter Versorgungsleistungen, deren Höhe die Behörde jedoch nicht kennt. Eine Aufstellung zeigt, dass die sogenannten Big4 – EY, KPMG, Deloitte und PwC – den großen Anteil der Mitarbeiter ausmachen. Nur vereinzelt finden sich Mitarbeiter, die zuvor bei mittelständischen Unternehmen wie BDO oder Rödl Partner gearbeitet haben.

Kiziltepe: „Die APAS muss aber auch unabhängiger von den Big4 werden. Von 51 Mitarbeiter*innen hängen 30 Aufseher*innen indirekt oder direkt am Tropf der vier großen Wirtschaftsprüferkanzleien. So kann man vielleicht eine individuelle Prüfung unabhängig aussehen lassen, aber institutionell ist die APAS abhängig wie ein Kokser von seinem Pulver. Die Big4 haben so mehr Einfluss auf die Wirtschaftsprüferaufsicht als das ihr übergeordnete Bundeswirtschaftsministerium. Das weiß noch nicht mal, wie hoch die Versorgungsbezüge der Big4 an die APAS sind. Das ist ein Missstand, der die Grundlage für Betrügereien wie bei Wirecard schafft.“ Der Wirecard-Ausschuss wird am Donnerstag und Freitag fortgesetzt. Unter anderem werden Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft München I aussagen. Am Donnerstag wird der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir erwartet.