Auf den hellen, breiten Gängen im monumentalen Gebäude des früheren Luftfahrtministeriums in der Wilhelmstraße herrscht hektisches Treiben. Referenten, Sekretäre und Berater bereiten ihre Dienstherren im Bundesfinanzministerium auf den großen Showdown vor. Im Wirecard-Skandal wird ein Verantwortlicher gesucht. Die Öffentlichkeit fragt: Wer ist schuld am größten Finanzskandal in Deutschland seit 1945? Auf Beamten-Ebene gab es schon die ersten Abgänge. Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, und seine Exekutivdirektorin und der Chef der Rechnungsprüfungsstelle DPR mussten gehen. Doch das kann noch nicht das Ende sein: Knapp zwei Milliarden Euro sind weg. Wo ist das Geld? Und wer hat zugelassen, dass es verschwindet?

Niemand weiß, was bei Wirecard wirklich abgelaufen ist. Ein gewaltiges Verbrechen – aber keine Täter, keine Drahtzieher, keine Hintermänner. Am Donnerstag gab der frühere Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer den Abgeordneten des Untersuchungsausschusses des Bundestags zu verstehen: Eure Aufklärungsarbeit ist löblich, aber sinnlos. Die „großen Kaliber“ werdet Ihr nicht finden. Er spricht von Staatschefs, Polizeipräsidenten, Oligarchen. Es geht um Geldwäsche, Finanzierung von illegalen Kriegen, globalen Terror. Den Abgeordneten ist klar: Da reichen ein paar Beamte nicht. Es muss schon auch jemand aus der politischen Spitze des Landes zur Verantwortung gezogen werden. Nach den Rücktritten bei der Bafin blicken daher alle auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz und seinen Staatssekretär Jörg Kukies. „Es kann hier nicht nur Bauernopfer geben“, sagt Hans Michelbach von der CSU.

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