Es wird eine Weile dauern, bis die Wirtschaft in Deutschland wieder wächst.
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Jens Büttner

Der vom IHS Markit Institut erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) zeigt nach dem Ende des Corona-Lockdowns eine Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone an. Allerdings, so Chris Williamson, Chefökonom von IHS Markit, könne über die Rückkehr zur Normalität nur spekuliert werden. Auffallend sei jedoch, dass Frankreich sich offenbar schneller erholt habe und laut der vorgelegten Zahlen sogar schon wieder ein leichtes Wachstum melde. Deutschland hinkt etwas nach, allerdings war der Absturz in Deutschland bei weitem nicht so dramatisch wie in Frankreich. Alle anderen Staaten liegen deutlich hinter den beiden großen europäischen Nationen. Ein großes Problem stellt in ganz Europa weiter der Service-Sektor dar, dessen Produktion weiter rückläufig ist. Hier sind vor allem die südeuropäischen Staaten besonders betroffen, deren Tourismus-Geschäft sich auch aktuell noch nicht annähernd erholt hat. Die Folge ist eine Zurückhaltung beim Konsum, weshalb auch die verarbeitende Industrie weiter schlechte Zahlen meldet.

Die Wirtschaftsberater der Bundesregierung, die sogenannten Wirtschaftsweisen, haben am Dienstag ihre Einschätzung vorgelegt und erwarten einen noch schlechteren Verlauf im Jahr 2020. Erst im kommenden Jahr sollte Deutschland in die Wachstumszone zurückkehren.

Die Prognose für das laufende Jahr schraubten die Experten, die die Bundesregierung beraten, nach einer Reihe historisch schlechter Konjunkturwerte deutlich nach unten. Der Sachverständigenrat geht nun davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um 6,5 Prozent schrumpfen wird. Damit reihte sich das Gremium ein in eine Reihe düsterer Vorhersagen. In der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 hatte der Rückgang 5,7 Prozent betragen.

Im ersten Quartal 2020 ist die deutsche Wirtschaftsleistung nach Daten des Statistischen Bundesamtes zum Vorquartal um 2,2 Prozent geschrumpft - obwohl in dem Drei-Monats-Zeitraum von den Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus im Grunde nur der März betroffen war.

Und die Erwartungen für das zweite Quartal sind düster - auch wenn mittlerweile etliche Einschränkungen wieder gelockert wurden. „Im zweiten Quartal 2020 dürfte das BIP in Deutschland saisonbereinigt um knapp 12 Prozent niedriger liegen als im Schlussquartal des Jahres 2019“, schreibt der Sachverständigenrat.

Die Produktion in der deutschen Industrie sackte auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren, für die Exportwirtschaft brachte der April „Horrorzahlen“, wie es der Außenhandelsverband BGA nannte. Der Inlandstourismus kam zwischenzeitlich fast komplett zum Erliegen, das Gastgewerbe kämpft nach Einschätzung des Branchenverbandes Dehoga ums Überleben. Etliche Ökonomen rechnen für das Gesamtjahr mit einem deutlichen Anstieg der Firmenpleiten.

Ende März war der Sachverständigenrat noch etwas optimistischer gewesen: Seinerzeit hatten die Experten als wahrscheinlichstes Szenario für Deutschland angenommen, dass es einen fünfwöchigen Lockdown geben wird und anschließend die Einschränkungen für Unternehmen sowie Konsumenten wieder gelockert werden. Für diesen Fall war das Gremium davon ausgegangen, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 2,8 Prozent schrumpfen würde. Für den schlimmsten Fall unterstellten die Regierungsberater in ihrer März-Einschätzung ein Minus von 5,4 Prozent bei der Wirtschaftsleistung.

Die Berater erwarten, dass Deutschland im nächsten Jahr auf einen Wachstumskurs zurückkehren wird. Für das Jahr 2021 prognostiziert der Sachverständigenrat 4,9 Prozent Wachstum. Allerdings: „Eine Rückkehr auf das Niveau des BIP vor der Pandemie ist nicht vor dem Jahr 2022 zu erwarten.“ Für den Euroraum rechnet der Sachverständigenrat mit einem Rückgang des realen BIP im Jahr 2020 um 8,5 Prozent und einem positiven Wachstum von 6,2 Prozent 2021. Mit der Lockerung seit Mai fasse die Wirtschaft allmählich wieder Tritt, stellte das Gremium fest und betonte, dass von den öffentlichen Rettungspaketen eine Verbesserung der Lage zu erwarten sei. (BLZ, mit dpa)

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