Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission 
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BrüsselVor wenigen Tagen hat die Bundesregierung großzügige Staatshilfen für Lufthansa zugesagt. Die Hilfen werden gerne mit dem Satz gerechtfertigt, Lufthansa sei „unverschuldet in die Krise geraten“. Das stimmt. Das Corona-Virus, das den stolzen Konzern beinahe in die Knie gezwungen hätte, ist eine höhere Macht, der alle ausgeliefert sind.

Es muss nicht extra betont werden, wie viel schwerer der Verlust von mehr als 50.000 Leben wiegt, die das Virus in den vergangenen Wochen allein in Italien und Spanien gefordert hat. Hingewiesen sei aus gegebenem Anlass nur auf einen Umstand: Auch Spanien und Italien traf die Corona-Krise unverschuldet. Genau wie den Rest Europas und der Welt.

Trotzdem fixieren sich die Kritiker des Milliarden-Programms, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch vorgestellt hat, auf die beiden Länder im Süden, an die nun – nachdem sie besonders hart getroffen wurden – der größte Anteil der nicht rückzahlbaren Zuwendungen und Kredite fließen soll. Besonders laut protestieren seit Tagen Österreich, Dänemark, Schweden und die Niederlande, deren Selbstbezeichnung „die sparsamen Vier“ inzwischen verstörender Weise in die allgemeine Berichterstattung übergegangen ist.

Die Vier – und all jene, die sich mit ihnen ereifern – scheinen schlicht auszublenden, dass die Krise ganz Europa trifft und der EU-Aufbauplan ganz Europa vor dem wirtschaftlichen Kollaps bewahren soll. Wer noch daran gezweifelt hatte, wie sehr die EU-Länder wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, wurde spätestens beim Zusammenbruch der Lieferketten in der Corona-Krise eines Besseren belehrt. Genau deswegen sind im EU-Aufbauplan ja auch nicht nur Gelder für Spanien und Italien vorgesehen, sondern auch für die anderen Länder, mehr als 28 Milliarden übrigens für Deutschland.

Bloße Kredite, die das Quartett und sein Wortführer, der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, den gebeutelten Ländern maximal zugestehen möchte, würden nicht helfen. Schon jetzt haben auch von Brüssel angemahnte Sparmaßnahmen dafür gesorgt, dass gerade im Gesundheitssystem in Italien und Spanien massiv gekürzt wurde. Weitere Schulden würden die prekäre Situation der Länder nur verschärfen. Das dürfte auch Österreich und Co. klar sein.

Die vehemente Ablehnung vonseiten der Länder, die – ebenfalls unverschuldet – weniger stark von Krise getroffen wurden, treibt lediglich die europäische Spaltung weiter voran. Ebenso die Unkereien, Hilfsgelder könnten versickern, die noch dazu ein uraltes Vorurteil bedienen: Das von den südeuropäischen Faulenzern, die den Fleißigen aus dem Norden nur ans Geld wollen.

Daraus spricht die Überheblichkeit der EU-Mitglieder, die nicht verstanden haben, dass auch sie nur Teile eines Teams sind, das Gefahr läuft, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, wenn einzelne Länder unter der Schuldenlast kollabieren, damit andere die populistischen Kräfte an der heimischen Wahlfront bedienen können.