Für Familien sind Fernreisen häufig fast unbezahlbar: Sie müssen in den Schulferien verreisen – also ausgerechnet dann, wenn es besonders teuer ist. Und der Reisepreis ist eben nicht nur wie bei Singles oder kinderlosen Pärchen ein- beziehungsweise zweifach fällig, sondern je nach Zahl der Kinder drei, vier oder fünffach. Da entscheiden sich viele Familien am Ende doch nur für den Urlaub auf dem Zeltplatz oder gar nur für den Tagesausflug zum Baggersee.

Dabei gibt es einen Weg, fast kostenlos dort Urlaub zu machen, wo man schon immer einmal hinwollte: Paris, London, Barcelona oder New York zum Minimaltarif – kein Problem!

Natürlich muss man für die Kosten der Anreise selbst aufkommen. Daran führt kein Weg vorbei. Die Ausgaben für die Unterkunft vor Ort aber können sich Urlauber tatsächlich sparen – wenn sie sich auf einen Wohnungs- oder Haustausch einlassen. Home-Swapping nennt sich diese Art Urlaub zu machen in bestem Neudeutsch. Ein Beispiel: Eine Familie aus Berlin – nennen wir sie die Reichels – möchte eine Woche Urlaub in Paris machen. Statt dort ein teures Hotel zu buchen, sucht sie auf einer Wohnungstauschbörse im Internet nach einer Pariser Familie, die zum gleichen Zeitpunkt eine Woche in Berlin verbringen möchte. Dieser Familie – bezeichnen wir sie als die Duponds – stellen die Reichels das eigene Heim zur Verfügung und ziehen dafür für eine Woche in die Wohnung der Duponds in Paris.

Jede Menge Komfort

Bezahlen müssen die Reichels – wie auch die Duponds – nur die Gebühren für das Vermittlungsportal. Diese liegen in der Regel bei rund 100 Euro pro Jahr. Doch einige Anbieter haben auch kürzere Schnuppermitgliedschaften, die in der Regel deutlich günstiger sind.

Zu den bekanntesten Wohnungstauschbörsen im Internet zähen homelink.de, haustauschferien.com und homeforhome.com. Tauschwillige müssen auf diesen Seiten zunächst ein detailliertes Profil mit Fotos erstellen, mit dem das eigene Heim treffend beschrieben wird. Je aussagekräftiger die Beschreibung und die Fotos, desto besser, denn das erhöht die Vermittlungschancen. Potenzielle Tauschpartner sollen sich damit schließlich ein möglichst realistisches Bild über das machen können, was sie erwartet.

Wenn das erledigt ist, kann nach Herzenslust nach Tauschangeboten gesucht werden. Sagt einem ein Angebot zu, nimmt man Kontakt mit dem Tauschpartner auf und verhandelt mit ihm über die genauen Modalitäten. Und dann kann es schon losgehen. Wer auf einem der Tauschportale angemeldet ist, kann sein Heim so oft tauschen wie er will. Er besitzt damit sozusagen eine Tausch-Flatrate.

Die Tauschportale werben damit, dass ein Familienurlaub bei einem Wohnungstausch inklusive Anreise, Verpflegung, Eintrittsgelder und andere Kosten im Schnitt nur rund halb so viel kostet, wie wenn man eine traditionelle Pauschalreise für das selbe Reiseziel bucht.

Diese Art des Urlaubs ist nicht nur konkurrenzlos günstig, sie bietet im Regelfall auch jede Menge Komfort. Denn sie ermöglicht es, in einer komplett ausgestatteten Unterkunft Urlaub zu machen: Wasch- und Spülmaschine, Fernseher und Stereoanlage sowie andere Einrichtungsgegenstände, die das Leben erleichtern, dürfen meist genutzt werden. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied zu einem nur mit dem Nötigsten ausgestatteten Ferienhaus oder Hotelzimmer.

Ein weiterer Vorteil: Man bekommt einen Einblick, wie die Menschen in dem Land leben, knüpft womöglich Kontakt mit Nachbarn und Freunden des Tauschpartners. Auf diese Weise wird der Urlaub viel intensiver als wenn es ins Hotel oder Ferienappartement geht.

Ohne Urvertrauen geht es nicht

Doch natürlich ist ein solcher Wohnungs- oder Haustausch nicht jedermanns Sache. Denn schließlich muss man damit klarkommen, dass wildfremde Menschen eine Zeit lang das eigene Heim in Beschlag nehmen. Was, wenn etwas kaputt geht? Oder wenn die Tauschpartner ein totales Chaos hinterlassen? Ohne ein gewisses Maß an Urvertrauen geht es also nicht. Wer sich allerdings darauf einlässt, kann mit ein paar Sicherheitsvorkehrungen das Risiko deutlich minimieren. So sollten Tauschpartner vorab gegenseitig so viele Informationen wie möglich einholen und alle offenen Fragen klären. Damit lassen sich böse Überraschungen weitgehend vermeiden.

Das normale Reiserecht greift beim Wohnungstausch nicht. Deshalb sollte vorher genau geklärt werden, ob die Versicherung für einen möglichen Schaden aufkommt. Vor Abreise sollte zumindest eine Haftpflicht- und eine Hausratversicherung abgeschlossen werden, um im Schadensfall wenigstens grundsätzlich abgesichert zu sein. Genauso sollte aber auch darauf geachtet werden, dass die Tauschpartner ausreichend versichert sind.

Wertsachen und kostbare Gegenstände sollte man nicht in der Wohnung lassen, sondern bei Freunden oder den Eltern zwischenlagern. Zudem ist es sinnvoll, die Bewertungen, die andere im Tauschportal über die potenzielle Tauschfamilie verfasst haben, genau zu studieren. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, schließt einen Tauschvertrag mit seinem Tauschpartner ab. Die verschiedenen Anbieter haben Musterverträge auf ihren Seiten. Solche Verträge regeln alles – vom Stromverbrauch bis hin zur Abnutzung von Geräten.

Entscheidend ist aber sicher das Bauchgefühl: Vertraue ich der Tauschfamilie oder nicht? Dies lässt sich am besten herausfinden, wenn man sich für das Kennenlern-Gespräch – vielleicht per Videokamera über Skype – Zeit nimmt und sich möglichst zwanglos unterhält. Und wichtig ist natürlich auch: Die Wohnung der Tauschfamilie bei Abreise sollte so hinterlassen werden, wie man die eigene gerne vorfinden würde, wenn man zurückkommt.