World Economic Forum: „Wir werden die Welt definitiv nicht regieren“

Das World Economic Forum (WEF) trifft sich in Davos und kämpft gegen den Bedeutungsverlust. 

10.01.2023, Schweiz, Cologny: Klaus Schwab, Gründer und Exekutivvorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF), übt seine Rede vor einer virtuellen Pressekonferenz. 
10.01.2023, Schweiz, Cologny: Klaus Schwab, Gründer und Exekutivvorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF), übt seine Rede vor einer virtuellen Pressekonferenz. KEYSTONE

Unter dem Motto „Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt“ beginnt am Montag die jährliche Tagung des World Economic Forum (WEF) in Davos. Aus Deutschland werden unter anderem Olaf Scholz, Hubertus Heil, Robert Habeck, Christian Lindner und Luisa Neubauer sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auftreten. Auch zahlreiche andere Regierungschef kommen zu Wort. Westeuropa ist allerdings weit weniger stark vertreten, Großbritannien, Frankreich und Italien etwa spielen keine Rolle bei der Tagung. Auffallend ist außerdem, dass die Teilnehmer aus den USA nicht aus der höchsten Kategorie sind. FBI-Chef Christopher Wray wird zum Thema der Nationalen Sicherheit sprechen, außerdem kommen Vertreter der großen Technologie-Konzerne wie Palantir, Meta oder Microsoft. Zum „Stand der Pandemie“ referieren unter anderem Sprecher des Impfstoffherstellers Moderna und der von WEF ins Leben gerufenen Impf-Allianz Gavi. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wird zum Thema „Zugang zur Impfung für alle“ sprechen. Über die mögliche „Schlüsselszenarien für Russland im Jahr 2023 in seiner Wirtschaft, Innenpolitik und militärischen Haltung“ wird ein Podium diskutieren, allerdings ohne einen Vertreter aus Russland. Prominent dagegen ist die Ukraine vertreten: Präsident Wolodymyr Selenskyj wird, vermutlich virtuell, sprechen, ebenso wie laut Medienberichten seine Frau Olena. Außerdem soll eine „Ukraine-Friedensformel“ präsentiert werden.

Zahlreiche Vertreter aus arabischen Ländern, Indien und dem asiatischen Raum werden teilnehmen, China wird zwar mit Vize-Premier Liu He und einer kleinen Abordnung vertreten sein, ist aber nicht so dominant wie in den Jahren zuvor.

Zentrale Themen sind der Einsatz von Daten, Künstlicher Intelligenz, digitalem Geld und der virtuellen Welt im Dienste eines „Fortschritts“. Dieses solle allen zugute kommen, und „nicht nur den Eliten“, sagte ein Sprecher des WEF im Vorfeld der Tagung. WEF-Präsident Børge Brende sagte der Neuen Zürcher Zeitung im Hinblick auf Vorbehalte gegenüber dem WEF: „Wir werden die Welt definitiv nicht regieren.“ Das Handelsblatt schreibt, die Stimmung sei „gedrückt“. Tesla- und Twitter-Chef Elon Musk schrieb, er halte das WEF nicht für einen gefährlichen Geheimbund, werde aber trotzdem nicht kommen, weil ihm die Veranstaltung „zu langweilig“ erscheine. Das WEF will über den informellen Austausch hinausgehen. Eine „Koalition der Handelsminister zum Thema Klima“ wird ins Leben gerufen. Die „Handelsminister aus Ecuador, Kenia, Neuseeland und der Europäischen Union“ werden laut WEF in Davos „das erste zwischenstaatliche Treffen der Koalition“ mit Vertretern aus der Wirtschaft und von NGOs abhalten.