YPF und Repsol: Argentinien provoziert Spanien mit Verstaatlichung

Madrid/Buenos Aires - Die argentinische Regierung verstaatlicht eine Tochter des spanischen Öl-Konzerns Repsol. Das hat Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner am Montagabend bekanntgegeben.

Der spanische Außenminister José Manuel García-Margallo sprach von einem Bruch der Freundschaft mit Argentinien. Er bestellte umgehend den argentinischen Botschafter ins Madrider Außenamt ein.

Der spanische Industrieminister José Manuel Soria kündigte in einem Radiointerview „Konsequenzen auf diplomatischer, Handels-, Industrie- und Energieebene“ an, die in den kommenden Tagen bekanntgegeben würden. Unterstützung erhielt Spanien vom EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, der sich „ernsthaft enttäuscht“ äußerte.

Repsol kontrolliert ein Drittel des lokalen Marktes

Als Konsequenz verschob die EU ein für diese Woche angesetztes Treffen mit Argentinien. Argentiniens Präsidentin Kirchner begründete die Enteignung damit, dass Argentinien „zum ersten Mal in 17 Jahren Gas und Erdöl importieren muss“. Dafür macht sie Repsol verantwortlich. Der spanische Konzern kontrolliert 34 Prozent des argentinischen Ölmarktes.

Indirekt warf Kirchner dem Konzern vor, dass er zu wenig in die Ausbeutung der argentinischen Gas- und Erdölfelder investiert und stattdessen überhöhte Dividenden ausschüttet. Vor einiger Zeit hatte sie bereits den Vergleich zur Kolonialzeit gezogen, „als sie alles Gold und Silber mitgenommen und nichts mehr hiergelassen haben“. Die Formulierung war speziell auf Spanien gemünzt.

Repsol-Präsident Antonio Brufau wies diese Vorwürfe in Madrid zurück. Er hielt Fernández „eine Kampagne der Beschuldigungen“ vor, „mit dem Ziel, die YPF-Aktie abstürzen zu lassen, um eine Enteignung zum Ausverkaufspreis zu ermöglichen“. Wegen der Verstaatlichungs-Gerüchte hat die YPF-Aktie seit Jahresbeginn rund 40 Prozent an Wert verloren.

Argentinien will nur Repsol-Aktien übernehmen

YPF beteuert, 2011 drei Milliarden Dollar in Argentinien investiert zu haben, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Regierungsfernen Experten zufolge hat YPF doppelt so viel investiert wie an Dividende ausgeschüttet. Um die Ölproduktion schnell und kräftig zu erhöhen, sind nach Branchenangaben sechs Milliarden Dollar nötig. Die Möglichkeiten zu investieren wurden aber durch de facto seit zehn Jahren eingefrorene Verbraucher-Preise für Öl und Gas behindert.

Repsol hält gut 57 Prozent an YFP. Die Tochter trägt rund die Hälfte zur Gesamtproduktion des spanischen Konzerns und etwa ein Drittel zu dessen Bruttogewinn bei. Den Rest des Unternehmens kauften 2008 vornehmlich argentinische Aktionäre, darunter die Gruppe Petersen, die ihren Einkauf zu einem großen Teil mit künftigen Gewinnen des Erdölförderers finanzierte.

Falls YPF überhöhte Dividende zulasten zukunftsträchtiger Investitionen gezahlt haben sollte, wäre das auch kurzfristigen Interessen der Gruppe Petersen geschuldet gewesen.

Die Enteignung trifft nur die Spanier. Der argentinische Staat will 51 Prozent von YPF übernehmen, ausschließlich Repsol-Aktien. Welchen Preis Argentinien dafür zu bezahlen gedenkt, ist bisher offen. Repsol beziffert den Wert seines YPF-Anteils auf acht Milliarden Euro.