Michail Chodorkowski.
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Den Haag/MoskauRussland hat im milliardenschweren Dauerstreit mit den Altaktionären des zerschlagenen Ölkonzerns Yukos eine Niederlage erlitten. Russland müsse doch 50 Milliarden US-Dollar Schadenersatz zahlen, urteilte ein Gericht in Den Haag im Berufungsverfahren am Dienstag.

Damit ist ein Schiedsspruch von 2014 rechtmäßig. Das russische Justizministerium in Moskau kündigte aber an, gegen diese Entscheidung vor dem höchsten Gericht der Niederlande vorzugehen. Die ehemaligen Aktionäre begrüßten das Urteil.

Ein internationales Schiedsgericht in Den Haag hatte 2014 den Aktionären 50 Milliarden US-Dollar Schadenersatz (rund 46 Milliarden Euro) zugesprochen, weil Yukos zu Unrecht enteignet worden sei. Doch zwei Jahre später kassierte das Bezirksgericht in Den Haag den Anspruch nach Klage von Russland. Dagegen hatten die Altaktionäre Berufung eingelegt und nun Recht bekommen. „Das bedeutet, dass das schiedsrichterliche Urteil wieder in Kraft getreten ist“, heißt es in dem schriftlich verbreiteten Urteil.

Yukos gehörte dem früheren Oligarchen Michail Chodorkowski, einem scharfen Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Russland hatte den Konzern 2006 für insolvent erklärt, weil Chodorkowski angeblich Milliarden Euro Steuern nicht gezahlt hatte. Der Konzern wurde zerschlagen. Die Filetstücke wurden dem Staatskonzern Rosneft zuerkannt. Chodorkowski hatte bis zur seiner Freilassung 2013 zehn Jahre lang in Haft gesessen. Er musste Russland verlassen und ist seither nicht zurückgekehrt, weil ihm ein weiterer Gerichtsprozess droht.

Das Schiedsgericht hatte festgestellt, dass es nicht um Steuerhinterziehung gegangen sei, sondern darum, „Chodorkowski als potenziellen Rivalen von Präsident Putin auszuschalten und sich das Eigentum von Yukos anzueignen“.

Die russische Regierung hält daran fest, dass es bei dem Konzern massenhafte Hinterziehung von Steuern gegeben habe. Das Justizministerium in Moskau beklagte auch den illegalen Abzug von Kapital ins Ausland, Geldwäsche und andere gesetzeswidrige Praktiken.

Im Kern des Rechtsstreits geht es nun um die Zuständigkeit. In erster Instanz hatten die Richter in Den Haag erklärt, dass das Schiedsgericht gar nicht befugt gewesen sei. Denn ein Energievertrag, der ein Schiedsverfahren bei Konflikten vorschrieb, war von Moskau nie ratifiziert worden. Dem aber folgten die Berufungsrichter nicht. Russland habe den Vertrag unterzeichnet und damit im Prinzip einem Schiedsverfahren zugestimmt. Moskau bestreitet das weiterhin.

Die Altaktionäre begrüßten das Urteil. Wahrheit und die Rechtsprechung hätten sich durchgesetzt, teilte der Sprecher ehemaliger Yukos-Aktionäre, Jonathan Hill, im Kurznachrichtendienst Twitter mit. 

Es ist unklar, wie Yukos versuchen wird, das niederländische Urteil durchzusetzen. Die Summe entspricht ungefähr einem Sechstel des russischen Staatshaushalts für das Jahr 2020. Die Holding der früheren Anteilseigner von Yukos GML hat bereits zuvor vergeblich die Beschlagnahme russischer Staatsgüter im Ausland beantragt.

Das russische Justizministerium sagte am Dienstag, es werde „seine legitimen Interessen in Bezug auf den Fall weiter wahren“.
Das Gericht „ignorierte die Tatsache, dass die ehemaligen Yukos-Aktionäre keine echten Investoren waren. Die Kontrolle über das Vermögen dieses Unternehmens wurde von ihnen durch eine Reihe illegaler Handlungen erlangt, darunter Verschwörung und Bestechung von Beamten“, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums. „Während der Verwaltung von Yukos erlaubten die ehemaligen Mehrheitseigner massive Steuerhinterziehung, illegalen Abzug von Vermögenswerten im Ausland, Geldwäsche und andere illegale Handlungen.“