Berlin - Zalando gelingt ein Coup: Der erst vor sieben Jahren gegründete Online-Modehändler Zalando hat die insolvente Modemesse Bread & Butter übernommen. Dies gaben der Zalando-Vorstand David Schneider und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller am Montagnachmittag in Berlin bekannt.

Schneider erklärte, man plane, die Messe ab dem kommenden Jahr neu auszurichten. Die Messe solle keine „elitäre Modeschau“ sein, sondern für die Endkunden geöffnet werden. Aus der Händler-Messe soll ein Mode-Festival für die Massen werden. Solche Events sind für Modefirmen zu wichtigen Plattformen geworden, um ihre Kollektionen zu bewerben. Die schwedische Modekette H&M bringt für das Musik-Festival Coachella in Kalifornien etwa eigens eine Modekollektion heraus.

Auch der Termin der Bread & Butter könnte sich verändern: Anstatt sie wie bislang im Januar parallel zur Fashion Week auszurichten, überlegt Zalando, die Messe im Frühling stattfinden zu lassen. Schneider sagte, ein Konzept für die Messe solle im Herbst vorgestellt werden. Er betonte: Zalando wolle den Modestandort Berlin stärken und weiterentwickeln.

Der Kaufvertrag war bereits am Wochenende unterschrieben worden. Die PR-Profis von Zalando warteten allerdings mit der Veröffentlichung der Nachricht bis zum Antrittsbesuch des Regierenden Bürgermeisters bei dem Online- Unternehmen am Montagnachmittag. Müller lobte das Engagement Zalandos: „Das ist gut für Berlin.“ Die Stadt werde die Entwicklung aktiv gestalten

Mit dem Kauf der Messe unterstreicht Zalando seinen Anspruch mehr als ein Online-Modeshop zu sein: Die Firma will sich zur Plattform für Mode entwickeln, die zugleich Dienstleistungen auch für Marken anbietet. Mit ihnen soll der Kauf der Bread & Butter eng abgestimmt gewesen sein.

Für die Mitarbeiter der Bread & Butter bedeutet die Übernahme der Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Zalando-Vorstand David Schneider sagte am Montag, dass man das Team komplett übernehmen werde. Die Mitarbeiter bereiten derzeit die Messe im Juli vor, für die das neue Konzept noch nicht greifen soll.

Mit der Übernahme beginnt eine neues Kapitel in der wechselhaften Geschichte der Streetwear-Messe. Ursprünglich in Köln angesiedelt, veranstaltete Karl-Heinz Müller 2001 erstmals eine Messe für Urban- und Streetwear, zu der rund 15 000 Interessierte kamen. Mit wachsendem Erfolg kam dann der Umzug in die Hauptstadt, 2003 fand die Messer das erste Mal in Berlin statt. Die Veranstalter hatten das ehemalige Siemensgelände auf der Insel Gartenfeld in Spandau angemietet. Dort sollte die Bread & Butter bis zum Januar 2007 bleiben.

Erstes Zerwürfnis im Jahr 2005

Im Juli 2005 kam es dann zum ersten Zerwürfnis. Immer wieder hatte sich Karl-Heinz Müller über den Standort Spandau mokiert, zu weit ab vom Schuss lägen die Hallen. Im Juli des Jahres dann wagten die Macher einen Spagat: Die Bread & Butter zog – auch – nach Barcelona. Bis zum Januar 2007 zeigte man Denim- und Streetwear in Barcelona und in Berlin-Spandau. Barcelona machte stets den Anfang, Spandau war ein bis zwei Wochen danach dran.

Ab der Sommer-Messe 2007 blieb nur noch die katalanische Metropole als Standort übrig. Die Verbindung währte nur ein paar Sommer, Müller kam mit seiner Messe zurück und präsentierte sie im Juli 2009 erneut in Berlin, jetzt wesentlich repräsentabler als zuvor noch in Spandau, und vor allen Dingen zentraler: Vom 1. bis zum 3. Juli 2009 fand die Bread & Butter auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof statt.

Berlin wurde in dieser Zeit zur geschäftlichen Heimat Müllers. Hier eröffnete er 2008 in der Neuen Schönhauser Straße in Mitte seinen Laden 14 oz., 2012 folgte eine Filiale im Haus Cumberland am Kudamm.

Stille kehrte indes nicht ein um die Bread & Butter. So lancierte Karl-Heinz Müller 2014 ein Gerücht nach dem anderen. Zuerst hieß es, die Messe solle in Zukunft üppige 25 Euro Eintritt kosten, dann brachte der Veranstalter erneut die Idee einer berlinisch-barcelonesischen Teilung aufs Tapet, diesmal aber abwechselnd: Tempelhof im Sommer, Barcelona im Winter.

Doch auch diese Idee verwarf er bald wieder. Kurios seine Begründung: Die katalanischen Winter seien nicht knackig genug. Am 2. Mai 2014 schloss Müller einen Vertrag mit der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Vorgesehener Termin: September 2015. Die endgültige Absage kam zu Beginn des Jahres, die Bread & Butter meldete Insolvenz an, doch für Müller bedeutete das mitnichten ein Ende – kurz darauf kündigte er an, im Sommer wieder in Tempelhof ausstellen zu wollen, dann allerdings unter dem Label „Lifestyle-Messe“. Mit dem Einstieg Zalandos folgt nun wieder ein neues Konzept – und die Sicherheit, dass die Bread & Butter wohl auf absehbare Zeit in Berlin bleiben wird.