In den USA ließen Ardell Hoveskeland (links) und Linda Hoveskeland ihre Gäste per Zoom an ihrer Hochzeit teilnehmen.
Foto: AFP/Andrew Caballero-Reynolds

BerlinBeim Videokonferenz-Dienst Zoom sorgt die Popularität in der Corona-Krise für ein steiles Wachstum des Geschäfts. Im Ende April abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal sprangen Umsatz und Gewinn hoch. Und Zoom geht von einem dauerhaften Plus aus: Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet die US-Firma mit einer Verdreifachung der Erlöse.

Zoom war eigentlich für Unternehmen gedacht, in der Corona-Krise stieg aber nicht nur der Einsatz im Homeoffice, sondern auch die Nutzung durch Privatpersonen sowie für Sportkurse, Gottesdienste oder Bildung. Pro Tag gibt es inzwischen 300 Millionen Teilnahmen an Videokonferenzen – im Vergleich zu 10 Millionen noch im Dezember. Ein Begriff wie „Zoombombing“, unerwünschter Zutritt zu einem Meeting, ist weltweit Teil des aktiven Wortschatzes geworden.

Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich von 122 auf 328 Millionen Dollar, wie Zoom nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Unterm Strich blieben rund 27 Millionen Dollar Gewinn übrig – nach nur rund 200.000 Dollar ein Jahr zuvor. Für das bis Ende Januar 2021 laufende Geschäftsjahr rechnet Zoom nun mit einem Umsatz von bis zu 1,8 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse um 88 Prozent auf 622 Millionen Dollar gestiegen – und noch vor drei Monaten hatte Zoom selbst gut 900 Millionen Dollar als Prognose für das laufende Jahr ausgegeben.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: zoom, AFP

Das geschäftliche Wachstum war nicht selbstverständlich trotz der explosiv steigenden Nutzung. Denn Zoom hatte in der Corona-Krise diverse Einschränkungen für die Gratis-Nutzung des Dienstes aufgehoben. Damit verdiente das Unternehmen mit vielen neuen Nutzern kein Geld – während die Infrastruktur-Kosten gestiegen waren. Noch vor drei Monaten hatte das Unternehmen selbst gewarnt, es sei unklar, ob man von dem Corona-Boom dauerhaft profitieren werde. Allerdings gab es in den vergangenen Monaten auch deutliches Wachstum bei den zahlenden Kunden im Unternehmensgeschäft.

In Zukunft will das Unternehmen neue Geschäftsfelder nutzen. So gehört zu dem Plan, in mehr Unternehmen auch die Telefon-Anlagen zu übernehmen. Videokonferenzen und gewöhnliche Telefonie könnten im Grunde mit ein und demselben Produkt abgedeckt werden, gab Gründer Eric Yuan zu bedenken. Deswegen sehe Zoom hier große Chancen auf neue Geschäfte – auch wenn es um die private Nutzung geht. „Videokonferenzen werden zu einem Verbrauchergeschäft“, betonte Yuan. Er sieht hier Chancen, mit den Videochat-Angeboten der großen Tech-Konzerne Apple, Google, Facebook und Microsoft mithalten zu können, die von der Corona-Krise allesamt nicht so stark profitieren konnten wie Zoom – aber ihre Dienste verbesserten.

Dem Aufsteiger Zoom machten in den vergangenen Monaten auch Negativ-Schlagzeilen zu schaffen – die erhöhte Aufmerksamkeit durch Experten förderte Sicherheitslücken zu Tage und sorgte für Kritik am Verschlüsselungskonzept des Dienstes. Zahlende Kunden sollen künftig auch auf Komplett-Verschlüsselung zurückgreifen können. Und wenn man sich künftig zwischen mehr Sicherheit oder mehr Bequemlichkeit für die Nutzer entscheiden müsse, werde die Sicherheit Vorrang bekommen, versicherte Yuan.