Schnipp, schnapp – und plötzlich sind die Haare viel zu kurz geschnitten. Über einen verpfuschten Haarschnitt ärgern sich Friseur-Kunden verständlicherweise. Eine misslungene Tätowierung muss man sogar noch länger tragen als eine schreckliche Frisur. Was steht Verbrauchern zu, wenn die Dienstleistung schlecht ist? Tatsächlich muss der Kunde vieles nicht stillschweigend erdulden. Die Stiftung Warentest hat Kundenrechte unter die Lupe genommen. 

Kunde muss falschen Haarschnitt nicht bezahlen

Schneidet der Friseur deutlich mehr vom Haar ab, als vereinbart war, kann der Kunde die Zahlung verweigern. Grundsätzlich ist man laut Verbraucherzentrale Berlin nicht verpflichtet, für eine mangelhafte Sache zu zahlen. Friseur und Kunde gingen bei einem Haarschnitt einen Werkvertrag ein, ergänzt Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW.

Wenn fünf Zentimeter geschnitten werden sollen, anschließend aber zehn Zentimeter fehlen, sei das Werk rechtlich gesehen mangelhaft. Dann dürfe der Kunde vom Vertrag zurückzutreten und muss nicht zahlen. Tatsächlich hätten deutsche Gerichte aber weniger mit Haarlängen zu tun, als mit aggressiven Mitteln, die Haare und Kopfhaut schädigen, so Stiftung Warentest:

Kahle Stelle auf dem Kopf durch aggressive Mittel

Eine Schülerin klagte vor dem Oberlandesgericht Koblenz ein Rekord-Schmerzensgeld von 18.000 Euro ein, weil sie durch falsche Anwendung eines Färbemittels lebenslang mit einer kahlen Stelle am Kopf leben muss (Az. 12 U 71/13). An der Stelle starb aufgrund des Mittels die Kopfhaut ab.

„Hohes Schmerzensgeld nach Friseurbesuchen wird in Deutschland nur fällig, wenn Kunden erhebliche Schmerzen erdulden müssen oder ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird“, so die Experten von Stiftung Warentest.

Haare kaputt gefärbt

Mit einem Farbwunsch trat eine Kundin aus Coburg an den Friseur ihres Vertrauens heran: Sie wollte ihre dunklen Haare zukünftig im modischen „Ombré Style“ in lila tragen. Drei Mail färbe der Friseur die Haare der Kundin, doch er scheiterte.

Der gewünschte violette Farbverlauf stellte sich nicht ein, die Haare der Kundin waren danach kaputt und mussten abgeschnitten werden. Die Frau verlangte ihre 200 Euro Friseurkosten zurück, das Amtsgericht Coburg gab ihr Recht (Az. 12 C 1023/13). Der Salon wurde zudem zu einer Zahlung von 50 Euro Schmerzensgeld verdonnert.

Haare zu kurz geschnitten – Kundin verlangt Schmerzensgeld

Mit dem Wunsch nach einem moderaten Haarschnitt ging eine Kundin in München zum Friseur. Sie bat die Friseurin im Vorgespräch, ihr Deckhaar besonders vorsichtig zu kürzen, da es sehr dünn sei. Nach dem Schnitt zahlte die Kundin und ging. Zwei Tage später kam sie jedoch wieder und verlangte Schmerzensgeld.

Ihr Argument: Die Friseurin habe ihre Haare so kurz geschnitten, dass die Kopfhaut durchscheine. Vor dem Amtsgericht München unterlag die Kundin (Az. 173 C 15875/11). Das Gericht argumentierte, die Kundin habe sich nicht während des Haarschnitts beschwert.