Als günstige Alternative zu dem großstädtischen Flughäfen hofften regionale Flughäfen auf das große Geschäft. Doch der Plan ist nicht aufgegangen. Immer mehr Regionalflughäfen befinden sich in einer prekären Situation.

„Mit wenigen Ausnahmen waren die Ergebnisse der Regionalflughäfen in den vergangenen zehn Jahren negativ“, sagt Eric Heymann von Deutsche Bank Research. Prinzipiell sei es schwer, einen kleineren Flughafen mit internationalem Verkehr wirtschaftlich zu betreiben. Das liege vor allem an den hohen Fixkosten – etwa für Feuerwehr und Personal.

Während die kleinen Flughäfen bis 2010 noch Passagiergewinne verbuchen konnten, ist die Entwicklung seither rückläufig. Die Zahlen des ersten Halbjahres 2016 verdeutlichen den Trend: Größere Flughäfen wie Berlin konnten sogar zweistellig zulegen, das Fluggastaufkommen etwa in Paderborn, Weeze oder Saarbrücken ging dagegen zurück. Magdeburg-Cochstedt musste den Flugbetrieb zum September-Beginn ganz einstellen.

Abhängig vom Tourismus

Die Regionalflughäfen sind äußerst abhängig vom touristischen Geschäft. Durch die Terroranschläge Anfang 2016 in Istanbul brachen Türkeireisen um rund 30 Prozent ein. Die Airports können solche Schwankungen oft nicht ausgleichen.

Negativ wirkt sich laut Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, auch aus, dass sich Billigflieger wie Ryanair und Air Berlin von einigen kleineren Airports zurückziehen. So hat Air Berlin aus Kostengründen das Streckennetz ausgedünnt. Nach Einschätzung von Heymann beruht Ryanairs Geschäftsmodell auf hohem Wachstum: „Das lässt sich mit Regionalflughäfen nicht mehr so einfach erzielen, also wendet sich die irische Airline großen Flughäfen zu.“

Hart getroffen hat diese Entwicklung beispielsweise den Flughafen Erfurt. Zur Jahrtausendwende zog der Airport noch mehr als 500.000 Passagiere an, in diesem Jahr sollen es 230.000 sein. Der Flughafen der Thüringer Landeshauptstadt leidet unter anderem unter dem Rückzug von Air Berlin. Die Erfurter haben in den vergangenen Jahren einiges probiert. So wurden Linien nach München und London aufgebaut. „Doch das hat sich am Ende für die Fluggesellschaften nicht gerechnet“, sagt Geschäftsführer Uwe Kotzan.

Die negative Entwicklung hat nach Auffassung von Heymann auch die Politik mitverschuldet. Die 2011 eingeführte Luftverkehrsabgabe habe das Fliegen in Deutschland teurer gemacht. Dies habe zuerst die schwächeren Flughäfen getroffen. Noch kritischer sieht Heymann die Subventionspolitik. Als Beispiel nennt er den Neubau des Flughafens Kassel, der 2013 den Betrieb aufnahm. Die Kosten für die Errichtung von 270 Millionen Euro hat vor allem das Land Hessen getragen. Vergangenes Jahr wurden in Kassel aber gerade einmal 65.000 Passagiere abgefertigt.

Mindestens 700.000 Passagiere benötigt

Ab wann ein Flughafen profitabel betrieben werden kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die EU-Kommission geht von 700.000 Passagieren im Jahr aus. Ab dieser Höhe könne ein Airport die laufenden Kosten (Betriebskosten) und die Kapitalkosten (Infrastruktur, etwa Landebahn) selbst verdienen. Nach Angaben von ADV-Chef Beisel würden fast alle deutschen Airports mit internationalem Verkehr ihre Betriebskosten decken. Für Beisel ist bei der Finanzierung der Infrastruktur durch die öffentliche Hand wichtig, dass die EU-Beihilfekriterien eingehalten werden. Dann sei eine Finanzierung „wie bei Schienen und Autobahnen auch möglich“.

Schaut man in die Bilanzen der Flughäfen genauer hinein, fällt auf, dass fast kein Flughafen allein mit Lande- und Passagiergebühren seine Kosten decken kann. Gewinnbringer sind die sogenannten Non-Aviation-Geschäfte. Das sind Einkünfte aus Einzelhandel, Gastronomie, Parken oder Flächenvermarktung. In Frankfurt und München mit ihren Shopping-Malls wird damit viel Geld verdient, in Erfurt gibt es nur einige wenige Flughafen-Läden.

Kurzfristig ist ein Flughafensterben laut Heymann zwar unwahrscheinlich, mittel- und langfristig rechnet er aber damit, dass einige öffentliche Eigentümer darauf hinwirken werden, dass sich ihre Airports aus dem Linien- und Chartergeschäft zurückziehen.