Ach, diese Arbeitnehmer: Ewig unzufrieden mit allem, auch wenn es in der Wirtschaft richtig gut läuft. Nur jeder zweite Beschäftigte ist mit seinem Job zufrieden, hat die Zeitarbeitsfirma Manpower jüngst herausgefunden. Das ist der schlechteste Wert seit 2012. Unglaublich, dass nur jeder Dritte das eigene Unternehmen Freunden weiterempfehlen würde. Und nur 44 Prozent empfinden ihre Bezahlung als fair. Es ist deshalb kein Wunder, dass fast jeder Zweite vorhat, in den kommenden zwölf Monaten den Job zu wechseln. Mit dem Ziel, besser bezahlt zu werden, andere Projekte und Arbeitgeber kennenzulernen, dem schlechten Arbeitsklima zu entrinnen und auch unangenehmen Vorgesetzten.

Herwarth Brune, Geschäftsführer der ManpowerGroup Deutschland, ist der Auffassung, dass die Unzufriedenheit der Belegschaft und die verschlechterten Rahmenbedingungen mit der anziehenden Konjunktur zusammenhängen. „Die Mitarbeiter müssen mehr leisten, weil die Aufträge gestiegen sind – und es bleibt weniger Freiraum für Maßnahmen der Mitarbeiterbindung“, sagt er. Dabei seien diese gerade in Zeiten hoher Auslastung wichtig. So ergab die Umfrage etliche Verschlechterungen im Vergleich zum vergangenen Jahr: Die vereinbarten Arbeitszeiten wurden in geringerem Maß eingehalten, es gab weniger flexible Arbeitszeitmodelle und Angebote zur Gesundheitsförderung, auch wurden Karrieren weniger aktiv gefördert.

Schlecht für das Betriebsklima ist auch der Fakt, dass immer weniger Unternehmen ihren Mitarbeitern mit kleinen Aufmerksamkeiten Wertschätzung entgegenbringen. Nur noch zwölf Prozent der Befragten gaben an, dass der Arbeitgeber kostenlos Obst oder Süßigkeiten als kleine, nette Geste zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch doppelt so hoch. Da kann ja durchaus jeder fünfte Arbeitnehmer seinem Unternehmen attestieren, inzwischen hohes Engagement für soziale Projekte oder für den Umweltschutz zu zeigen, aber ohne kostenloses Obst? Das kann geradewegs zu Abwanderungsgedanken führen.

„Geringer Aufwand, große Wirkung“

Dabei ist doch das gute Verhältnis zu Kollegen und zum Chef der Top-Motivator der deutschen Arbeitnehmer im Job. 65 Prozent der Mitarbeiter gehen mit mehr Spaß an die Arbeit, wenn sie mit anderen Mitarbeitern und Vorgesetzten gut auskommen. Möglichkeiten zur freien Zeiteinteilung spornt nur noch jeden zweiten Mitarbeiter an, 2014 waren es noch zwei Drittel.

Aber die kleinen Gesten sind kaum weniger wichtig. Auf Platz vier der wichtigsten Motivatoren liegen kostenlose Getränke. „Geringer Aufwand, große Wirkung“, sagt Manpower dazu: Für jeden dritten Arbeitnehmer sind kostenlose Getränke am Arbeitsplatz motivierend für den Job – ein Prozent mehr als bei der Vorjahresbefragung. Wer nun allerdings solche kostenlosen Getränke noch nie in seinem Unternehmen gesehen hat, muss sich nicht grämen: Beim eigenem Tee, von zu Hause mitgebracht, weiß man wenigstens, was man hat.

Dass eine ansprechende Raumgestaltung sowie Beratungen durch den Betriebsarzt und vom Arbeitgeber bezahlte Präventionskurse gut für die Motivation sind (Rang sechs und sieben auf der Motivationsliste), leuchtet schnell ein. Grünpflanzen (Platz neun) heben auch die Stimmung, wenn sie nicht aus Plaste sind.

Aber den größten Sprung nach vorn in der Liste der wichtigsten Gründe für gute Arbeitsleistung hat der Muntermacher Kaffee gemacht. Für 28 Prozent der Mitarbeiter fördert die Qualität des Koffeingetränks die Motivation am Arbeitsplatz, ergab die Umfrage von Manpower. Guter Kaffee rutscht damit in die Top Ten der Arbeitsmotivatoren. Daher also ein guter Rat an alle Arbeitgeber: Augen auf beim Kaffeekauf! Und ein Vorschlag für Betriebsräte in Firmen, wo der Kaffee nicht umsonst ist: Nachfragen kann sich lohnen.