Schon wieder bleiben Züge stehen, weil Klimaanlagen defekt sind. Und: Viele Fahrgäste waren in den vergangenen Tagen verärgert, da sie über Verspätungen und Fahrplanänderungen aufgrund von Flutschäden unzulänglich informiert wurden. Zwei Symptome eines gravierenden Problems? Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des BUND, jedenfalls fordert: „Der einzige Aktionär des Konzerns muss sich dringend intensiver um das Unternehmen kümmern.“ Gemeint ist die Bunderegierung. Heidi Tischmann vom alternativen Verkehrsclub VCD sieht es ähnlich: „Bei der Bahn geht einfach zu viel schief.“

Die Hitzewelle in Deutschland fordert auch von der DB eine besondere Art von Tribut. Schon am Dienstag musste der Schienenkonzern sechs ICE- und EC-Züge wegen defekter Klimatisierung stoppen. Die Passagiere mussten in andere Züge umsteigen. Gleichwohl könne man in Anbetracht von 1400 Verbindungen pro Tag nicht von größeren Problemen sprechen, sagte ein Sprecher, der aber schon ankündigt, dass es wegen der hohen Temperaturen weitere Ausfälle in den kommenden Tagen geben könnte.

Wie viele Züge am Mittwoch stehen blieben, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Aus Hilgenbergs Sicht sind die unmittelbaren Auswirkungen der Probleme bei der Kühlung noch nicht einmal das Schlimmste. „Wirklich bedauerlich ist, dass dies einen weiteren Reputationsschaden für die Bahn bringt.“ Auch für Tischmann ist nicht die Zahl der Zugausfälle entscheidend, sondern die Tatsache, dass so etwas überhaupt noch passiert: „Denn das Problem ist längst erkannt, aber noch immer nicht gebannt.“

Fahrgäste im Krankenhaus

Zur Erinnerung: Im Sommer 2010 sorgte für Riesen-Aufregung, dass die Klimaanlagen auf 50 Verbindungen ausfielen. Aufgrund extremer Temperaturen in den Zügen kollabierten dehydrierte Fahrgäste. Einige mussten ins Krankenhaus. Die Klimaanlagen gaben offenbar ihren Geist auf, weil die sie zu lange auf Volllast laufen mussten. Sie waren nur für 32 Grad ausgelegt.

Um solche Szenen zu vermeiden, stoppt die Bahn inzwischen Züge, wenn die Kühlaggregate nicht funktionieren. Eine DB-Sprecherin weist zudem darauf hin: Seit 2010 habe es eine Reihe von „Ertüchtigungsmaßnahmen“ für Klimaanlagen gegeben. Es seien vielfach belastbarere Komponenten eingebaut worden, die eine erhebliche Stabilisierung der Anlagen gebracht hätten.

Gerne würde man die technische Überholung der Klimaanlagen beschleunigen. Verantwortlich für die Verzögerung sei aber, dass neue Züge nicht so schnell geliefert würden, wie eigentlich mit den Lieferanten vereinbart. Deshalb könne man auch weniger Züge aus dem Verkehr nehmen, um sie nachzurüsten.

Doch daran ist nach Ansicht der VCD-Expertin Tischmann die Bahn zum Teil auch selbst schuld. Züge seien zu spät bestellt worden. Zugleich müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass Genehmigungsverfahren für die neue Schienenfahrzeuge beschleunigt würden.

Berlin-Fahrplan geändert

Definitiv keine Schuld trägt die Bahn indes am Elbehochwasser und an Beschädigungen an einer Brücke bei Stendal. „Doch das Problem war, wie unzureichend die Fahrgäste informiert wurden“, so Tischmann. Zahlreiche Züge , die von und nach Berlin fuhren, mussten oft über komplizierte Wege umgeleitet werden. Es gab enorme Verspätungen.

Fahrgäste in den Zügen und an den Bahnsteigen beschwerten sich, dass sie nur spärlich informiert wurden. Auch die Smartphone-App DB-Navigator, mit der sich Tausende Kunden und auch Zugbegleiter über die Verkehrslage informieren, zeigte falsche Daten bei Verbindungen von und nach Berlin an.

Die Bahn-Sprecherin betont derweil, es habe relativ wenig Beschwerden gegeben. Sie räumt aber ein, dass Zeitangaben nicht funktioniert hätten. Doch sie wirbt für Verständnis: „Wir mussten in den vergangenen Tagen sehr viel improvisieren. Unsere Leute haben Unglaubliches geleistet.“

Und von Freitag an werde nun auch alles buchstäblich in geordnete Bahnen gelenkt. Die Bahn stellte einen modifizierten Fahrplan für Fernverbindungen von und nach Berlin vor. Er gilt von Freitag an bis erst einmal zum 19. Juli. Der Vorteil für die Kunden: „Für diesen Plan gelten nun die Fahrgastrechte“, so die DB-Sprecherin. Bei Verspätungen gibt es also Entschädigungen.