Nachdem der Gläubigerausschuss von Air Berlin während seiner ersten Sitzung am Mittwoch doch nicht die rasche Zerschlagung der Pleite-Airline beschlossen hatte, freute man sich im fränkischen Reichenhall. „Das ist eine sehr erfreuliche Trendwende“, ließ prompt der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl verbreiten. Es sei die Voraussetzung geschaffen worden für konstruktive Gespräche zwischen Air Berlin und weiteren Investoren. Und tatsächlich wurde auch seine Intro-Verwaltungs GmbH für nächste Woche zu erste Sondierungsgesprächen nach Berlin eingeladen.

„Es wäre schön, wenn wir mit unseren Partnern den besten Vorschlag anbieten könnten“, sagte der 69-Jährige und wurde auf Nachfrage der Berliner Zeitung konkreter: „Mein Unternehmen ist weiterhin nur an einer Gesamtübernahme und Fortführung der Air Berlin interessiert“, so der ehemalige Textilfabrikant.

Rückläufige Buchungszahlen

Während Wöhrl den genauen Zeitpunkt dieser Sondierungsgespräche offenließ, machte Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte der insolventen Fluggesellschaft, wenig Hoffnung auf eine sehr schnelle Lösung. Der Vorgang sei komplex und nicht an einem Tag abzuwickeln, sagte Kebekus der Wirtschaftswoche. „Vor September wird es höchstwahrscheinlich keine großen Deals geben.“

Dennoch sitzt dem obersten Verwerter von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft nach der Lufthansa die Zeit im Nacken. Zwar sollen die kurzfristigen Flugbuchungen bei Air Berlin nur um sechs bis sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, bei längerfristigen Buchungen und vor allem auf Langstrecken sieht es indes schlechter aus. „Air Berlin verbrennt Cash“, so Kebekus.

Derweil nannte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) seinen Wunschgewinner im Bieterrennen um Air Berlin beim Namen: „Es muss darum gehen, dass wir einen großen verlässlichen Partner haben“, sagte Müller. Die Lufthansa sei „ein verlässlicher Partner“, gerade auch am Luftverkehrsstandort Berlin. Der Regierende Bürgermeister machte aber auch deutlich, dass es bei der Abwicklung von Air Berlin „ein neutrales Verfahren“ geben müsse, „in das man sich direkt gar nicht einmischen kann“.

Die Lufthansa hatte am Mittwoch offiziell sein Interesse an Teilen von Air Berlin bestätigt. Dem Vernehmen nach ist der deutsche Marktführer an 70 bis 90 der insgesamt 144 Air-Berlin-Maschinen interessiert, bekommt im Poker darum aber ernsthafte Konkurrenz. Der zum Thomas-Cook-Konzern zählende Ferienflieger Condor etwa soll ein Angebot für Jets in deutlich zweistelliger Zahl vorbereiten, wie die Deutschen Presse-Agentur erfahren haben will.

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings bereitet man sich dennoch schon mal auf einen Flottenzuwachs vor und startete ein Rekrutierungsprogramm. Via Firmen-Website werden Piloten und Flugbegleiter gesucht. Eurowings plane ab sofort Einstellungen, „um sukzessive Flugzeuge für das wachsende Unternehmen zu bereedern“, hieß es zur Erklärung. Zunächst sollen etwa 200 Piloten sowie rund 400 Flugbegleiter eingestellt werden. Wie eine Firmensprecherin sagte, sei das genug , „zehn bis 15 Flugzeuge“ betreiben zu können.