Berlin - Die Gestaltung und Beurteilung von Zukunft ist ein wildes Unterfangen. Zwischen Neuem und Altem sind Konvergenzen und Parallelitäten schwer auszumachen. Zumal uns zuweilen bereits die Gegenwart zu verstören scheint, wenn sie mit lang gelebten Riten bricht – wie etwa in der Pandemie, in der entgegen der Annahme, Arbeiten sei von zuhause kollektiv nicht zu choreographieren, das Homeoffice doch funktioniert hat. 

Arbeit ist spätestens seit der Industrialisierung als ein Ort angelegt, an dem Ordnung herrscht – und zwar gemittelt aus den Ansprüchen aller auf einen Kompromiss, der für alle gleichsam erträglich, zuweilen vielleicht aber auch unerträglich ist. In der Pandemie wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren Maßstäbe verändert, die vorher als unvermeidliche Ordnung wahrgenommen wurden. Und das schafft Perspektiven: etwa die Bedürfnisse des Einzelnen als Grundlage dafür ernst zu nehmen, wie Arbeit auch organisiert werden könnte.

Zudem: Anzunehmen, man begegne sich nicht, nur weil man nicht im selben Raum arbeitet – das ist so mittelalterlich wie analog gedacht. Zumindest auf junge Menschen gemünzt, die große Teile ihres Wachseins in Sozialen Medien, Multiplayer-Games oder anderen Plattformen verbringen, ist der Ruf nach Anwesenheitspflicht vor allem eins: lustig. Digitale Begegnungen müssen analogen in nichts nachstehen. Sie können stilleren Charakteren sogar dabei helfen, sich zu entfalten, die in lauten Gruppen analog vielleicht nie Gehör finden würden. Dass sich in einer Umfrage aktuell viele Arbeitnehmende für das Homeoffice ausgesprochen haben, kann insofern nicht verwundern. Der Wunsch ist kein neuer. Er ist ob der Erfahrungen in der Pandemie vielen Arbeitnehmern schlichtweg nicht mehr auszureden.