Berlin - Der Gedanke „es ist nicht leicht, sich von sich selber zu lösen“, geht auf den Philosophen Michel Foucault zurück. Er schrieb auch: „Man verliert sich in seinem Leben, wenn man nach der Identität der Sache fragt … Dann ist die Sache verpfuscht, weil man sich auf Klassifikation einlässt.“ Es ginge darum, etwas hervorzubringen, das zwischen den Ideen geschehe – und das müsse man nicht benennen können. „Man muss vielmehr ständig versuchen, ihm eine Farbe, eine Form, eine Intensität zu geben, die niemals sagt, was sie ist.“, so Foucault.

An der Schwelle zu dem, wovon noch niemand weiß, was es sein wird, ließe sich Foucault zum Thema Zukunft der Arbeit wunderbar berücksichtigen. War doch ein zentrales Motiv vieler Poststrukturalisten, wie Herrschaftsordnungen durch subversive und interventionistische Praktiken verändert oder zumindest für kreative Neupositionierungen genutzt werden können. Wenn wir hier nun über das Ende der in der Pandemie beschlossenen Homeoffice-Pflicht zum Ende des Monats nachdenken wollen – ja, dann mag das weit gegriffen sein. Aber im Grunde geht es hier doch um etwas. Nämlich um uns selbst und darum, wie und wo wir arbeiten wollen, ohne für alle anderen klassifizieren zu müssen, wie sie es tun. Die Pandemie lässt sich dahingehend als Katapult verstehen, wo wir doch währenddessen sehr deutlich erlebt haben, was alles möglich wäre.

Wenn die Arbeitgeber und der Wirtschaftsrat der CDU nun keifen, niemand dürfe Unternehmen vorschreiben, welche Arbeitsbedingungen sie ihren Mitarbeitern ermöglichen würden, dann gilt es, dem entschieden entgegenzutreten. Es soll ja jeder ins Büro zurückkehren können, aber warum sollen das denn alle müssen? Im Sinne einer weit entwickelten Gesellschaft wäre doch nur naheliegend, endlich zu berücksichtigen, unter welchen Bedingungen wir individuell am besten arbeiten.