Im Schnitt gibt jeder Deutsche 37 Euro im Jahr für Blumen aus.
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BerlinAhmet Akkus kennt die Gesetzmäßigkeiten des Valentinstags genau. Anfang Februar gehe es los. Danach stiegen die Einkaufspreise Tag für Tag, bis in dieser Woche der Höhepunkt erreicht sei. „Bis zu 200 Prozent über normal“, sagt der Mittfünfziger und muss es wissen. Akkus ist Blumen-Großhändler. Seit über 30 Jahren ist er im Geschäft. Der Valentinstag hat für ihn keine Überraschungen mehr. Im Gegenteil. „Kein Tag ist berechenbarer.“

Auf dem Berliner Großmarkt an der Beusselstraße in Moabit belegen etwa zehn Blumen-Grossisten die Hallen 13 und 14. Es ist ein Blumenladen der Superlative. Mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche kein Stück kleiner als zehn große Supermärkte zusammen. Von hier aus werden die allermeisten Berliner Blumengeschäfte mit frischer Ware versorgt. Auch Akkus verkauft auf dem Großmarkt am Westhafen. Außerdem betreibt er einen zweiten Markt in der Lichtenberger Josef-Orlopp-Straße. Mittlerweile hat er 50 Angestellte.

Die Konkurrenz ist groß

Was auf den hiesigen Großmärkten angeboten wird, kommt vor allem aus den Niederlanden. Aalsmeer, eine kleine Ortschaft im südlichen Speckgürtel von Amsterdam, ist gewissermaßen die Quelle der Berliner Blumen. Dort kaufen die Grossisten ein. Vieles wird online erledigt. Ahmet Akkus indes hat ein eigenes Team vor Ort, das bei den Versteigerungen mitbietet, und sogar eine eigene Spedition, die die Fracht nach Berlin bringt. Dabei geht es um Mengen, die den Begriff Blumenmeer allemal rechtfertigen. Pro Markt verkauft Akkus 300 000 bis 400 000 Blumen am Tag. Allein der Tulpenabsatz liegt aktuell bei etwa 80 000 Blumen täglich. Ein blühendes Geschäft.

Grafik:  Sabine Hecher

Statistisch geben die Deutschen 3,1 Milliarden Euro im Jahr für Blumen aus. Das sind im Schnitt 37 Euro pro Kopf. Für Wolfgang Hilbich ist das eine Zahl, die ihn amüsiert. „Das gilt für Deutschland, aber nicht für Berlin“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Landesfachverbands Deutscher Floristen. Zwar seien die Berliner blumenverliebt, aber sie geben weniger aus. „In anderen Großstädten zahlt man das Doppelte oder Dreifache“, sagt Hilbich und liefert auch gleich den Grund dafür: In Berlin sei die Konkurrenz unerbittlich. „Es herrscht ein ruinöser Preiswettbewerb“, so der oberste Vertreter der Berliner Floristen.

Höchstens 130 Fachhändler

Wie viele Blumenfachgeschäfte es in der Stadt gibt, vermag man beim Fachverband nicht exakt zu sagen. „Vielleicht 130“, schätzt Hilbich und meint damit sogar den Großraum Berlin. In jedem Fall seien die Fachhändler in der Minderheit, was auch eine Umfrage in den Gewerbeämtern der zwölf Berliner Bezirke bestätigte. Danach gibt es in der Stadt mehr als 1 500 Einzelhandelsbetriebe, die mit Blumen handeln.

Grafik:  Sabine Hecher 

„Die Fachbetriebe sterben aus. Viele müssen schließen, weil sie keinen Nachfolger finden“, sagt Großhändler Akkus. Hilbich beklagt, dass es durch die zunehmende Anzahl von ungelernten Billiganbietern immer schwieriger werde, am Markt zu bestehen, zumal auch rasant steigende Gewerbemieten das Geschäft erschweren. Wie bei der IHK zu erfahren war, gibt es derzeit kaum mehr als 50 Auszubildende, die im Floristenberuf ihre Zukunft sehen.

Stundenlöhne von höchstens drei Euro

Wer sich auf den Blumenfachhandel einlasse, müsse Blumen über alles lieben, sagt eine Blumenhändlerin aus Friedrichshain, die ungenannt bleiben will. Sie ist gelernte Blumenbinderin. Das Geschäft, das sie betreibt, gibt es seit 1952. Vor 17 Jahren hat sie den Laden übernommen. Es scheint ganz gut zu laufen. In einem Nebengelass hinter dem Verkaufsraum bindet eine Mitarbeiterin gerade einen opulenten Strauß. Im Drucker liegt eine Fleurop-Bestellung über 24 rote Rosen. „Ausnahmegeschäfte“, sagt die Floristin. Die Kunden hätten sich verändert. Es gehe nur um billig, billig, billig. Außerdem die Konkurrenz. Im nahen Umfeld gibt es drei weitere Blumenläden. „Alles Vietnamesen“, sagt sie. „Wie die die Preise machen, weiß ich nicht. Teilweise liegen sie unter den Einkaufspreisen.“

BLZ-Grafik/Hecher

Tamara Hentschel vom Verein Reistrommel, der sich um vietnamesische Migranten in Berlin kümmert, spricht von Kostensenkung durch Selbstausbeutung. Meist sei in diesen Läden die ganze Familie im Einsatz. „Bei Arbeitszeiten von 16 Stunden am Tag, ohne Wochenende und ohne Urlaub“, sagt Hentschel. In Analysen hat der Verein unter vietnamesischen Blumenhändlern Stundenlöhne von 2,50 bis drei Euro ermittelt. Mit kleinen Preisen soll der Umsatz angekurbelt werden.

Dekorationsgeschäft boomt

Tatsächlich dominieren vietnamesisch geführte Läden den Berliner Blumenmarkt. Großhändler Ahmet Akkus erlebt es täglich. Wenn er morgens um vier Uhr seine Märkte in Moabit und Lichtenberg öffnet, machen vietnamesische Händler fast drei Viertel der ersten Kunden aus. „Fleißige, tüchtige Leute“, sagt Akkus. „Gute Kaufleute.“ Wer zuerst kommt, hat die größte Auswahl und kann sich das Beste aussuchen. Billiger ist die Ware nicht.

Um die Zukunft des Blumengeschäfts in Berlin macht sich Ahmet Akkus indes keine Sorgen. Die Umsätze stiegen noch immer. Vor allem spürt der Großhändler, dass das Dekorationsgeschäft zunimmt. Akkus profitiert von der Tourismus- und Messe-Metropole Berlin, seinen Restaurants, Hotels und Ausstellungen. Das verspricht gute Geschäfte. Zu welchen Preisen er selbst einkauft und zu welchen er die Blumen dann an die Berliner Händler verkauft, will Akkus nicht sagen. „Das wäre unsportlich“, sagt er.