Geplanter Standort der Tesla-Fabrik: Grünheide
Foto: Berliner Zeitung/ Markus Waechter

BrandenburgAuch Tage nach der überraschenden Ankündigung des kalifornischen Unternehmers Elon Musk, in Berlin ein Entwicklungszentrum seines Elektroautobauers Tesla eröffnen zu wollen, gibt es viele Fragen und kaum Antworten. Bis heute weiß niemand in der Stadt, was Tesla in Berlin an Infrastruktur, Räumlichkeiten oder möglichen Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Universitäten brauchen könnte. Gleichzeitig erscheint eine vermeintlich gemeinsame Ansiedlungspolitik für die vielbeschworene Metropolregion Berlin/Brandenburg in einem schummrigen Licht.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hörte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, wie die Ankündigung Musks für Berlin fast einhellig begrüßt wurde. Selbst die oppositionellen Wirtschaftspolitiker Christian Gräff (CDU) und Florian Swyter (FDP) sprachen von einem großen Erfolg, einzig Christian Buchholz von der AfD zweifelte die wirtschaftliche Seriösität der Amerikaner an.

Doch wer hat eigentlich einen Erfolg errungen? CDU-Mann Gräff ließ kein gutes Haar an Senatorin Pop. Diese verhöhne die Automobilindustrie und leiste der Dienstleistungs- und Innovationsmetropole Berlin damit einen Bärendienst. Zudem lasse sie eine Investorenfeindschaft zu, setze sich nicht „gegen Ihre Fundis in Kreuzberg“ durch, präsentiere sich insgesamt „ohne Mut und Leidenschaft“. FDP-Kollege Swyter legte den Finger in eine andere Wunde: „Die herzlichen Glückwünsche gehen nach Brandenburg“, dort sei man mit Tesla schon handelseinig. In dem Zusammenhang kritisierte Swyter, dass eine gemeinsam orchestrierte berlin-brandeburgische Ansiedlungspolitik nicht zu erkennen sei. „Mehr Kakophonie kann man sich gar nicht vorstellen“, sagte Swyter.

Doppelte Überraschung

Erinnert sei an eine Äußerung aus der brandenburgischen Landesregierung vom Mittwoch: „Wir wundern uns immer noch, wie es uns gelungen ist, die Sache so lange unter der Decke zu halten.“ Kunststück, wenn man das deutlich größere Stück des Tesla-Kuchens in sein Land geholt hat.

Berlin wurde dabei offenbar gleich doppelt überrascht. Weder wusste man vom Fabrikbau in Brandenburg, noch von einer geplanten Investition in Berlin. Dennoch sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Donnerstag: „Berlin und Brandenburg ergänzen sich mit ihren Stärken.“ Der eine habe die Dynamik der innovativen Großstadt, der andere die Fläche. Das bedeute: „Eine gemeinsame Metropolregion ist gut für beide Länder.“

Ähnlich wolkig klingt, was in der nahen Zukunft im Fall Tesla aus Berliner Sicht zu tun sei. „Wir sind im Austausch mit Tesla und schauen jetzt gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Berlin Partner, was die Bedürfnisse sind“, heißt es aus Pops Verwaltung. Mal schauen, wann die erste Berliner Delegation nach Kalifornien fliegt und die Stadt dort in den schönsten Farben zeichnet. Ob dabei auch nur einmal Brandenburg erwähnt wird, ist die Frage.