Berlin - Herbert Diess ist doch gekommen. Der Volkswagen-Chef wollte am Donnerstag eigentlich nicht in Wolfsburg sein. Geplant war eine Dienstreise in die USA. Ums Geschäftliche ging es auch in Wolfsburg – allerdings anders, als es Diess lieb sein konnte. Der Betriebsrat hatte die Belegschaft im Stammwerk zusammengetrommelt. Bei diesen Veranstaltungen vor Tausenden Arbeitern kann es hoch hergehen, die Werkshalle wird dann zum Hexenkessel. Und Diess stellte sich der Aussprache. Keine Frage: Es rumort gewaltig im Volkswagen-Reich. Das Verhältnis zwischen dem selbstbewussten CEO und der mächtigen Arbeitnehmervertretung gilt als, freundlich formuliert, angespannt. 

Volkswagen: Schafft der Konzern den Sprung ins Elektrozeitalter?

Im Kern geht es um die Frage, wie schnell Volkswagen, einer der größten Autobauer der Welt, die Transformation in Richtung Elektromobilität schafft – und was das, gerade an Arbeitsplätzen, kosten darf. Es ist kein Geheimnis, dass ein E-Auto weniger komplex ist als ein Verbrenner. Und damit weniger Personal für den Bau benötigt wird. 

Für Herbert Diess ist der Umbau des Volkswagen-Konzerns ein Anliegen. Eines, das nicht schnell genug gehen kann. Auf die IG Metall nimmt Diess dabei keine Rücksicht. Mitte Oktober sorgten vermeintliche Planspiele für Wirbel, wonach 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen könnten. Das Unternehmen distanzierte sich eilig. Doch in Wolfsburg geht seitdem die Angst um. 

Volkswagen: Betriebsrätin attackiert Konzernchef Diess 

„Hören Sie auf mit Spekulationen über Stellenabbau und erarbeiten Sie mit uns gemeinsam Lösungen“, schleuderte die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Donnerstag Diess entgegen. Doch der CEO blieb bei seiner harten Linie. Volkswagen muss schlanker werden. Es war ein ungemütlicher, verregneter Tag in Wolfsburg.