Heiligabend! Wenn die Geschenke ausgepackt werden, kommt für die Kinder manches zum Vorschein, was die Eltern seufzen lässt: "Wollten wir nicht ne größere Wohnung suchen?" Bunt und sperrig bevölkern sie von nun an die Räume: Kampf-Roboter, Barbies und Kens mit und ohne Haus, Playmobillandschaften. Sind die Kinder etwas älter, verirrt sich vielleicht auch mal ein Buch in diese Welt.Dann kommt es drauf an, ob man es geschickt angestellt hat oder nur der allgemeinen Pisa-Panik erlegen ist ("Wir müssen das Kind zum Lesen zwingen, bevor es endgültig zur Risikogruppe gehört!"). Entweder das geschenkte Buch hat etwas mit einem bekannten Zauberlehrling zu tun, dann gehört es zu den Prestige-Objekten der Altersgruppe und man kann nichts falsch machen. Ist es etwas Anderes - dann kann man auf die Nase fallen und es hilft kein Werben wie etwa: "Emil und die Detektive - lies das mal! Der Kästner schreibt echt super-lustig." Aber alles kann auch von selbst passieren, wenn man den wichtigsten Rat beherzigt: Bücher sind geheimnisvoll! Nicht jeder kann in ihre Welt eindringen! Kleine Kinder spüren diesen Nachteil instinktiv. Wenn man ihnen die Liebe antut, jeden Abend etwas vorzulesen, entdeckt man, dass sie das Gehörte auswendig lernen, um eines Tages mit den Fingern über die Buchseiten zu gleiten und das Märchen wiederzugeben, als könnten sie lesen.Was aber macht man mit älteren Kindern, deren Lesetrieb von elektronischen Ablenkungen geschwächt ist? Aufzwingen kann man nichts. Aber es gibt Möglichkeiten: Man stelle die Bücher, die sie lesen sollen, in ein Regal und sage: "Da gehst du nicht ran!" Abends lese in einem dieser Bücher und lache ab und zu. Manchmal bietet es sich an, das Spiel "Wissen ist Macht" (oder Geld) zu spielen. Unsere Tochter ignorierte jahrelang die Lexika, bis eines Tages in der Sendung "Wer wird Millionär" gefragt wurde, wie ein Palast im indischen Jaipur heiße. Die Tochter stürzte zum Bücherschrank, blätterte im Lexikon und fand heraus: "Palast der Winde". Dann setzte sie sich mit dem Buch in die Ecke und sagte: "Mann eh, durch Bücher kann man reich werden!"