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Naturkundemuseum: Neue Erkenntnisse zu T-Rex Tristan

Heute beliebt, damals gefürchtet: Der T-Rex war zu seinen Lebzeiten ein gefährlicher Raubsaurier.

Heute beliebt, damals gefürchtet: Der T-Rex war zu seinen Lebzeiten ein gefährlicher Raubsaurier.

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Museum für Naturkunde/ Carola Radke

Berlin -

Zappeln, wackeln, kratzen – das alles hat nichts geholfen. Wenn der T-Rex zuschnappte, gab es kein Entkommen. Sein Kiefer war zu stark, seine Zähne zu scharf. „Wir gehen davon aus, dass die vorderen Zähne des Sauriers dazu dienten, das Beutetier zu beißen. Mit den mittleren Zähnen wurden dann einzelne Stücke herausgerissen“, sagt Daniela Schwarz vom Museum für Naturkunde in Berlin. „Und die Zunge hat dabei geholfen, das Fleisch hinunterzuschlucken.“ Das sei heute auch immer noch ähnlich bei Krokodilen und Schlangen.

Die Paläontologin Daniela Schwarz und ihre Kollegen vom Naturkundemuseum sind seit der Ankunft des Tyrannosaurus rex, genannt Tristan, im Sommer 2015 damit beschäftigt, mehr über seine Gesundheit und sein Leben vor etwa 66 Millionen Jahren zu erfahren. Nun gibt es erste Ergebnisse der Untersuchungen.

Ersatzzähne im Kiefer

„Die Zähne des T-Rex sind kontinuierlich nachgewachsen“, sagt Daniela Schwarz. „Wir gehen davon aus, dass die Tiere etwa jedes Jahr neue Zähne bekommen haben, vielleicht auch etwas seltener.“ Die Wissenschaftlerin deutet auf die CT-Aufnahmen des Ober- und Unterkiefers, die ihre Kollegin Franziska Sattler ausgewertet hat. „Da sieht man, dass sich unter einigen Zähnen bereits neue gebildet hatten. Die wären dann in den darüberliegenden Zahn hineingewachsen und hätten ihn herausgeschoben“, erklärt Daniela Schwarz.

Ein neuer Zahn hätte sich aber erst entwickelt, wenn der andere hinausgewachsen wäre. Dass sich die Zähne so häufig erneuerten, wurde zwar schon in früheren Publikationen nachgewiesen – nun konnte man aber erstmals auf den tomografischen Aufnahmen sehen, wie die Ersatzzähne im Kiefer sitzen.

Tristans Ober- und Unterkiefer: Erstmals sind die ...

Tristans Ober- und Unterkiefer: Erstmals sind die ...

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Museum für Naturkunde

„Für die Saurier war das kontinuierliche Zahnwachstum wichtig – sie haben ihre Zähne ja intensiv genutzt“, sagt die Expertin. Zum Beispiel, um die zappelnde Beute mit den Zähnen festzuhalten oder Stücke aus ihr zu beißen. „Würden aber Menschen so oft ihre Zähne wechseln, wäre das ein großer Nachteil – denn unsere Zähne sind zwar auch sehr spezialisiert, aber auf andere Nahrung.“

.. nachwachsenden Zähne eines Sauriers auf CT-Aufnahmen zu sehen.

.. nachwachsenden Zähne eines Sauriers auf CT-Aufnahmen zu sehen.

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Museum für Naturkunde

Die Beißwerkzeuge des T-Rex waren perfekt auf lebende Beute ausgerichtet. Seine bananenförmigen Zähne waren viel robuster als die platten Beißer anderer Raubsaurier. Außerdem wirkten die Zähne des T-Rex wie Fleischmesser. Sie hatten ein gezacktes Muster an der Seite. „Damit konnten sie besser in das Fleisch der Beute eindringen, die Fleischfasern zerreißen und dem Beutetier größere Wunden zufügen“, erläutert Schwarz. Um die Beute auch wirklich nicht entwischen zu lassen, waren die Zähne des Tyrannosaurus rex nach hinten gebogen, wie Widerhaken. Ähnlich ausgerichtet sind die Zähne noch bei Schlangen. „Mit dieser Anordnung wurde verhindert, dass die Beute noch aus dem Maul schlüpfen kann“, sagt die Paläontologin.

Sensibles Räubermaul

Der T-Rex hatte offenbar für die Beute in seinem Maul ein ganz besonderes Empfinden. Über den Zähnen im Oberkiefer finden sich mehrere Löcher im Knochen. „Das sind große Durchlässe für Nervenkanäle. Sie sind Teil eines sensiblen Sinnessystems“, erklärt Daniela Schwarz. „Dadurch hatte der Saurier ein gutes Gefühl in seinem Ober- und Unterkiefer. Zum Beispiel dafür, wie sehr sich die Beute wehrte und wie stark der Saurier noch zubeißen musste.“ Zudem war sein Sinnessystem hoch entwickelt, wie andere Untersuchungen bereits zeigten. Die Forscherin hat am Schädel des T-Rex ebenfalls Kanäle für die zwölf Hirnnerven gefunden – mit ihren Funktionen wie Sehen, Riechen, Hören oder Schlucken. Diese zwölf wichtigen Nerven besitzen alle höher entwickelten Wirbeltiere, auch der Mensch.

Zudem untersuchten Oliver Hampe, Paläontologe am Naturkundemuseum, und Patrick Asbach von der Berliner Charité in den vergangenen Wochen eine Wucherung am Unterkiefer des Sauriers. Möglicherweise litt das Tier unter einem Tumor, doch das ist noch nicht abschließend geklärt. „Solch eine Wucherung am Unterkiefer ist ein relativ seltenes Krankheitsbild“, sagt Daniela Schwarz. Und die Diagnose für so eine krankhafte Veränderung des Knochens sei schwierig. „Wir schauen da nach Krankheiten bei heutigen Reptilien – diese sind aber nicht gut dokumentiert“, erklärt die Kuratorin für fossile Reptilien. „Man kann aber Vergleiche zu menschlichen Krankheiten anstellen. Die Vergleiche sind jedoch sehr aufwendig und langwierig.“ Für die Untersuchung des Kieferknochens könnte man feine Schnitte des Gewebes nutzen. Aber dank der tomografischen Aufnahmen und der dreidimensionalen Ansichten sei das gar nicht mehr notwendig, so Schwarz. Bislang stehen diese Aufnahmen nur den Wissenschaftlern des Museum zur Verfügung. Wenn die Analysen abgeschlossen sind, sollen sie auch öffentlich zugänglich gemacht werden.

Nur auf Zeit in Berlin

Am Schädel von Tristan gibt es noch viel zu entdecken. „In den nächsten Monaten wollen wir noch das Gehirn des T-Rex in 3D rekonstruieren“, sagt die Paläontologin. „Ich bin aber noch nicht sicher, wie gut mir das gelingen wird. Der Hirnschädel ist durch die Versteinerung, also den Druck und die Temperaturen, verformt. Da hat vor allem der Bereich des Gehirns gelitten.“

Außerdem wollen die Forscher vom Naturkundemuseum mehr über die Ernährungsgewohnheiten von Tristan herausfinden. „Die Zähne von T-Rex beweisen eindeutig, das er ein Fleischfresser war. Möglicherweise hat er aber nicht nur selbst gejagt, sondern bei Gelegenheit auch an Kadavern oder Aas gefressen“, erklärt Schwarz.

Eine genauere Untersuchung des Fressverhaltens soll der Paläontolge Anne Schulp vom Museum Naturalis im niederländischen Leiden übernehmen. Dort steht seit Herbst des vergangenen Jahres ebenfalls ein T-Rex. „Der Kollege wird hier am 31. März winzige Proben von Tristans Zähnen entnehmen und auf ihre Bestandteile untersuchen“, sagt Schwarz. Mittels Isotopenanalyse werde zum Beispiel festgestellt, wieviel Sauerstoff und Kohlenstoff der Zahn enthält. Das lasse Rückschlüsse auf sein Fressverhalten zu.

Daniela Schwarz und ihr Team würden auch gern den restlichen Körper des Sauriers untersuchen. „Leider hatten wir vor dem Aufbau des Skeletts keine Möglichkeit mehr, die Knochen einzuscannen“, sagt die Forscherin. Ob es die Möglichkeit dazu geben wird, ist noch nicht ganz klar. Denn Tristan könnte in absehbarer Zeit woanders ausgestellt werden. Der Dinosaurier ist zunächst für drei Jahre im Naturkundemuseum zu sehen – diese Zeit wäre im Dezember 2018 abgelaufen.