Wenn Frauen ganz nach oben wollen, verkleiden sie sich immer noch gern als Mann - Hosenanzug oder strenges Sakko sind obligatorisch. Ausgerechnet in der Politik, der weltgrößten Arena der Machtspiele, wird dieses "Powerdressing" derzeit allerdings unterwandert - durch Figuren wie Julija Timoschenko, die ukrainische Premierministerin, die in Louis Vuitton posiert, oder durch die US-Außenministerin Condoleezza Rice, die auf ihrer Europatournee reichlich Oscar de la Renta hervorzauberte. Beide sind überzeugt davon, dass eine individuellere Dekoration nicht unbedingt als Ausdruck persönlicher Putzsucht ausgelegt werden muss, sondern sie auch positiv aus der Uniformität der Politik herausheben kann.Und auch Angela Merkel ist dabei, sich diese Erkenntnisse zu eigen zu machen. Die CDU-Kanzlerkandidatin - früher von Kabarettisten gern "sprechender Hosenanzug" genannt und in der Zeit als "Kohls Mädchen" stilistisch völlig in der Defensive - überrascht jetzt mit "glanzvollen Auftritten" (Bunte) und "neuem Lady-Look" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Verantwortlich für diese Radikalkur ist die 39-jährige Berliner Modedesignerin Anna von Griesheim, die Merkel mittlerweile einkleidet - und mit Kundinnen wie Sabine Christiansen, Sandra Maischberger oder Maybrit Illner hinlänglich Erfahrungen in puncto medientaugliche Ausstattung sammeln konnte. Das bedeutet: kameraverlässliche Materialien, die auch in ernster Lage die Form beibehalten, fließende Hosenstoffe, die die Trägerin größer und schlanker wirken lassen, taillierte Schnitte, die die Silhouette günstig formen.Anna von Griesheim scheint Angela Merkel auch in ihrer Vorliebe fürs Pastellige zu bestärken. Beim ersten Auftritt als Kanzlerkandidatin strahlte diese in Apricot vor himmelblauer Wand, am Montag erschien sie zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele in einem Abend-Outfit, für dessen Farbbestimmung die Berichterstatter zwischen hellem Pink, Aprikose, Meloneneis oder Blütenschaumrosa schwankten. Die Designerin aber spricht schlicht von Lachs und hat die Parteivorsitzende bereits im dritten Jahr für diesen Anlass beraten: Nachdem Merkel 2001 noch selbstverschuldet mit Varieté-Federboa erschien und 2002 mit krachbunter Kimono-Bluse, konnte sie 2003 in glänzendem Petrol und 2004 mit rotem Oberteil zum schwarzen Rock überzeugen. Die diesjährige Wahl besteht aus einem mehrlagigen Chiffonrock (dessen Saum zierliche Pumps mit Zehenguckloch streifte) und einer Jacke mit weitem, drapiertem Ausschnitt, beides aus reiner Seide. Der Rock - mit neckisch gekräuseltem Saum - sei der "jetzigen Modesituation" angepasst, die Jacke aus feingerippter Faille mache das Ganze formeller und "ein bisschen strenger". So beschreibt Anna von Griesheim diese "weibliche Kombination", mit der sich Angela Merkel wieder mal dem aussetzt, was sie seit ihren Anfängen verfolgt: dass alle über ihr Äußeres reden.------------------------------Foto: Anna von Griesheim stattet die Kanzlerkandidatin aus